Die bulgarische Sozialversicherung ist in 27 Regionaldirektionen gegliedert. Eine davon umfasst die Hauptstadt Sofia. Im Bild: die Alexander-Newski-Kathedrale.
Die bulgarische Sozialversicherung ist in 27 Regionaldirektionen gegliedert. Eine davon umfasst die Hauptstadt Sofia. Im Bild: die Alexander-Newski-Kathedrale.



Guter Draht nach Bulgarien

 

Der Rentenversicherungsträger ist mit seiner Verbindungsstelle Bulgarien unter anderem Ansprechpartner, wenn Antragsteller rentenrechtliche Zeiten in Bulgarien geltend machen wollen oder in Bulgarien wohnen und in Deutschland beschäftigt sind oder waren. „In einem solchen Fall landet die Akte immer bei uns“, erklärt Michael Hennelotter. Er ist Referatsleiter Ausland und Vertrag und Leiter der Verbindungsstelle Bulgarien der Deutschen Rentenversicherung Mitteldeutschland. In seiner letzteren Funktion sind ihm drei Teams mit 35 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern unterstellt. Sie bearbeiten die eingereichten Renten- und Beitragserstattungsanträge aus der deutschen Rentenversicherung oder leiten den Antrag der Versicherten auf eine bulgarische Rente an das Nationale Versicherungsinstitut der Republik Bulgarien weiter
 

Kurve zeigt nach oben

Die Kontenklärungs- und Rentenanträge sowie die Rentenzahlungen sind in den letzten Jahren deutlich gestiegen. Zahlte die Deutsche Rentenversicherung Mitteldeutschland 2010 noch 1.938 Renten an bulgarische Staatsangehörige, waren es im Jahr 2018 bereits 3.356. Nachdem Bulgarien 2007 in die Europäische Union aufgenommen wurde, ergaben sich neue berufliche Perspektiven. Sieben Jahre später gewährte Deutschland den Bulgaren die volle EU-Arbeitnehmerfreizügigkeit. Diese erlaubt es Bürgern eines EU-Mitgliedstaates, ihren Arbeitsplatz in jedem Land der EU frei zu wählen. Eine Arbeitserlaubnis benötigen sie nicht. „Diese Möglichkeit nutzen viele Bulgaren“, so der Referatsleiter. Ein Großteil von ihnen sei im verarbeitenden Gewerbe, im Bereich Verkehr und Logistik oder im sonstigen Dienstleistungsbereich sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Aber auch die Rentenanträge von bulgarischen Ingenieuren, Ärzten oder Opernsängern haben seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter schon bearbeitet.
 

»Eine Kontenklärung wie in Deutschland gibt es in Bulgarien nicht.«

Michael Hennelotter, Referatsleiter Ausland und Vertrag, Deutsche Rentenversicherung Mitteldeutschland
 


Dabei stehen sie immer wieder vor großen Herausforderungen, denn das bulgarische Sozialversicherungssystem ist völlig anders organisiert als das deutsche. „Eine Kontenklärung, so wie wir sie in Deutschland kennen, gibt es in Bulgarien zum Beispiel nicht“, erklärt Referatsleiter Michael Hennelotter. „Oftmals reichen uns die Versicherten zusammen mit ihrem Rentenantrag ihre bulgarischen Arbeitsbücher und andere Nachweise ein. Diese sind dann zunächst vom bulgarischen Rentenversicherungsträger zu bestätigen. Das ist oft sehr zeitaufwendig.“

Trotz der Herausforderungen können die Hallenser Teams auf eine gute Zusammenarbeit mit den bulgarischen Rentenversicherungsträgern bauen. „Wir arbeiten mit den 27 Regionaldirektionen des Nationalen Sozialversicherungsinstituts der Republik Bulgarien zusammen. Das klappt sehr gut“, so der Referatsleiter.
 

Neue Verbindungsstelle Ukraine

Seine nächste Herausforderung hat Michael Hennelotter im Juli letzten Jahres angenommen. Seitdem baut er eine neue Verbindungsstelle auf: In Zukunft soll die Deutsche Rentenversicherung Mitteldeutschland auch Verbindungsstelle der Regionalträger für die Ukraine sein. Mit diesem osteuropäischen Land hatte die Bundesrepublik Deutschland im November 2018 ein Sozialversicherungsabkommen geschlossen, das Regelungen zur Vermeidung der Doppelversicherung in beiden Staaten enthält (siehe Kasten oben links).

Das dafür erforderliche Vertragsgesetz hat die Bundesregierung bereits im Januar dieses Jahres im Bundesgesetzblatt verkündet. Die Zustimmung des ukrainischen Parlaments steht bislang jedoch noch aus. Darauf wartet Michael Hennelotter derzeit. Sobald die Ratifizierungsurkunden zwischen den beiden Staaten ausgetauscht sind, bleiben ihm noch drei Monate Zeit. Dann tritt das Abkommen in Kraft, und neben den bulgarischen werden auch die ukrainischen Anträge in Halle landen.
 

...Sozialversicherungsabkommen

Es stellt sicher, dass Arbeitnehmer zweier Länder von ihren Arbeitgebern bis zu zwei Jahre lang in den jeweils anderen Staat entsandt werden können, ohne die Sozialversicherung ihres Heimatlandes verlassen zu müssen.

 

Weitere Informationen Eine Informationsbroschüre über das internationale Rentenrecht kann auf der Website der Deutschen Rentenversicherung unter t1p.de/DRV-Bulgarien heruntergeladen werden.