Resiliente Menschen gehen gestärkt aus Krisen hervor.
Resiliente Menschen gehen gestärkt aus Krisen hervor.



Widerstandskraft für die Seele


Stress bestimmt den Alltag vieler Menschen, sei es im Beruf oder im Privaten. Und Stress kann krank machen. Die Tatsache, dass einige Menschen auch nach großen psychischen Belastungen schnell wieder auf die Füße kommen, ist ein Zeichen dafür, dass ihre mentalen Schutzmechanismen gut funktionieren. Diese seelische Widerstandskraft wird Resilienz genannt und ist sehr wichtig im Kampf gegen stressbedingte Erkrankungen. Wer lernt, Herausforderungen erfolgreich zu meistern, kann in Zukunft ähnliche Situationen besser bewältigen.
 

Zielgruppe: stressgeplagte Menschen

Die Deutsche Rentenversicherung hat mit dem Präventionsprogramm RV Fit ein Angebot, das gezielt Menschen anspricht, die unter Stress leiden. Auch viele Unternehmen bieten im Rahmen ihres betrieblichen Gesundheitsmanagements Seminare oder Workshops an, die Menschen helfen sollen, besser durch Krisen zu kommen.

Ein Ansatz, um Krisen besser zu managen, ist das Konzept der Resilienz. Das Wort leitet sich vom lateinischen „resilere“ ab, das bedeutet abprallen und bezeichnet allgemein die Fähigkeit, erfolgreich mit belastenden Lebensumständen und negativen Folgen von Stress umzugehen und das eigene Leben aktiv in die Hände zu nehmen.
 

Christiane Peterson: Lächelnde Frau mit Brille in weißer Bluse

»Wir müssen Krisen erleben, um Resilienz auszubilden.«

Christiane Petersen, Resilienztrainerin
 


Menschen mit einer hohen Resilienz nehmen unabwendbare Schicksalsschläge an, rappeln sich nach Niederlagen wieder auf und gehen sogar gestärkt aus Krisen hervor. „Resilienz erhöht die Flexibilität eines Menschen im Umgang mit Veränderungen, egal ob im privaten oder beruflichen Umfeld, erläutert Christiane Petersen, Resilienztrainerin aus Hamburg. „Und so, wie wir unsere Abwehrkräfte gegen Viren stärken können, können wir auch unser Immunsystem der Seele unterstützen, und zwar indem wir uns unsere Resilienzfaktoren bewusst machen und sie aktiv trainieren.“ Ein wichtiger solcher Faktor ist Akzeptanz. „Es ist hilfreich, das, was vergangen oder auch unveränderbar ist, zunächst einmal anzunehmen, auch wenn es schwerfällt“, sagt Petersen. In der Krise gehen viele Menschen in den inneren Widerstand oder hadern mit ihrem Schicksal. „Diese Blockade kostet uns viel Kraft. Wenn wir die Situation erst einmal als gegeben akzeptieren, können wir sie in unserem Sinne gestalten und das Beste daraus machen.“ Wenn Menschen das, was sich nicht ändern lässt, akzeptieren, fühlen sie sich im Einklang mit den Dingen.
 

Verantwortung übernehmen

Eigenverantwortung ist ebenfalls Basis für eine starke innere Widerstandskraft, erläutert die Resilienztrainerin: „Es geht um die Haltung, dass ich mein Leben selbst gestalte und somit Verantwortung für mich und mein eigenes Handeln übernehme.“ Voraussetzung sei, dass man die eigenen mentalen und körperlichen Grenzen kenne. Eine Person, die die Erfahrung gemacht hat, dass sie dem Leben nicht ausgeliefert ist, profitiert laut Resilienzforschung zudem von der Selbstwirksamkeit. Menschen mit einer hohen Selbstwirksamkeitsüberzeugung haben verinnerlicht, dass sie sich Erfolge selbst zuschreiben können und nicht allein äußeren Umständen wie Zufall oder Glück verdanken. „Positive Erfolge stärken unser Vertrauen in unsere Selbstwirksamkeit – und das ist ein Schlüssel zu mehr Resilienz“, meint Petersen.
 

Krisen bewältigen hilft

„Wir müssen Krisen erleben, um Resilienz auszubilden. Wichtig ist allerdings, dass uns diese Krisen nicht überfordern“, so die Hamburgerin. Dabei müssen diese Krisen nicht alleine bewältigt werden. „Resiliente Menschen zeichnet aus, dass sie um Hilfe bitten und diese annehmen können.“

Menschen, die über Resilienz verfügen, sind nicht über jede Krise erhaben. „Auch resiliente Personen kennen Verzweiflung, Angst und Hoffnungslosigkeit“, betont Petersen. Doch Resilienz unterstütze den Prozess der Krisenbewältigung. „Resilienz ist wie ein festes inneres Sicherheitsnetz. Wenn wir durch eine Krise aus der Bahn geschleudert werden, fängt es uns auf und zieht uns zurück in die Spur“, erläutert sie.

Das Thema der Achtsamkeit ist eng mit Resilienz verbunden. „Es ist hilfreich, Stressfaktoren bewusst als solche wahrzunehmen und umgekehrt nach Dingen zu suchen, die uns Kraft geben.“ Wohlfühlfaktoren können ganz unterschiedliche Dinge sein, legt die Resilienz-­Expertin dar: Musik hören, ein Spaziergang in der Natur, ein Haustier oder ein bestimmtes Hobby. „Als Trainerin biete ich den Raum zur Reflexion. Insbesondere Menschen in Krisen schaffen diesen Schritt oftmals nicht ohne Hilfe, da sie sich auf die Stressfaktoren fokussieren“, erläutert sie ihre Aufgabe.

„Resilienz wird oft als Instrument missverstanden, um sich selbst zu optimieren. Es geht bei Angeboten nicht darum, Menschen im Job leistungsfähiger zu machen“, stellt Petersen klar. Dennoch profitieren auch Arbeitgeber davon, wenn die Beschäftigten die eigenen Stärken kennen, eigene Grenzen früh wahrnehmen und sich bewusst Hilfe holen. So lässt sich auch die nächste Krise ohne gesundheitlichen Schaden stemmen. 
 

...Drei Tipps für Resilienz

1 Achtsames Wahrnehmen
Nehmen Sie achtsam die Signale Ihres Körpers wahr. Woran merken Sie, dass Sie gestresst sind? Was können Sie in diesen Momenten tun, um gut für sich zu sorgen? Vielleicht stehen Sie auf, trinken ein Glas Wasser oder machen einen kleinen Spaziergang?

2 Ressourcen stärken
Machen Sie sich Ihre eigenen Kraftquellen bewusst. Wer und was tut Ihnen in Ihrem Alltag gut? Wo können Sie auftanken, wenn Ihr Energiefass leer ist? Suchen Sie sich gezielt Menschen und Aktivitäten, bei denen Sie sich wohlfühlen.

3 Setzen Sie sich Ziele,
auf die Sie sich freuen. Achten Sie dabei darauf, dass diese Ziele Sie motivieren und nicht zusätzlich unter Druck setzen – kleine Schritte reichen.

RV Fit ist das Präventionsprogramm der Deutschen Rentenversicherung. www.rv-fit.de