Erst skeptisch, jetzt glücklich

 

Ich habe einen der schönsten Arbeitsplätze in ganz Mitteldeutschland“, sagt Ilka Erdmann und lacht. Wenn sie aus dem Fenster ihrer Arbeitsstelle in Suhl schaut, liegt ihr die Stadt zu Füßen. Der Himmel strahlt blau, die Sicht reicht bis zu den schneebedeckten Hügeln des Thüringer Waldes. Und dennoch tauscht sie die schöne Aussicht dreimal in der Woche gegen ein Kellerbüro bei sich zuhause in Finsterbergen.

Vollzeit dank Telearbeit

Nach der Geburt ihres ersten Kindes musste sich die Teamleiterin etwas einfallen lassen: Von ihrem Wohnort bis nach Suhl braucht sie 45 Minuten pro Strecke und nur, wenn Wetter und Verkehr mitspielen. „Wenn es in der Nacht richtig schneit und auf der Strecke die LKWs quer stehen, brauche ich gar nicht erst loszufahren“, weiß sie aus Erfahrung. Früher habe sie gewartet, bis sich die Lage entspannt hat. Heute geht sie in ihr heimisches Büro, schaltet den Rechner ein und beginnt zu arbeiten. Das Modell ermöglichte ihr, weiterhin in Vollzeit zu arbeiten. „Bei mir war es nie die Arbeit, die stresst, sondern alles, was drumherum organisiert werden muss.“ Anfangs war niemand von ihrem Vorhaben begeistert, ihre Mitarbeiter nicht und ihr Chef erst recht nicht. „Aber wenn ich es jemandem zugetraut habe, dann ihr“, erinnert sich Stefan Schütte, Leiter des Regionalzentrums Eisenach/Suhl. Er wurde nicht enttäuscht. „Nicht jedem liegt Telearbeit, aber wer eine gewisse Portion Selbstdisziplin hat und sich gut organisieren kann, schafft in acht Stunden zu Hause oft sogar mehr als im Büro.“

Digitalisierung erleichtert

Ilka Erdmann ist inzwischen Mutter zweier Söhne. Dennoch gehen ihre „Kinder-KrankTage“ gegen null. „Natürlich haben auch meine Jungs mal einen Infekt, mit dem ich sie nicht in die Kita schicke. Aber dann teile ich mir die Betreuung mit meinem Mann und organisiere den Tag so, dass ich doch noch was wegarbeiten kann.“ Zwei Wochen könne man so nicht überbrücken. „Aber drei Tage sind kein Problem.“ Für sie habe diese Regelung den Vorteil, dass die Arbeit nicht liegen bleibt. „Klar, meine Kollegen können nicht mal eben schnell mit der Akte zu mir kommen, wenn sie eine Frage haben. Aber vieles klärt man ohnehin schon am Telefon“, so die Thüringerin. Noch leichter werde es, wenn künftig alle Akten digitalisiert sind. Dann entfalle es auch, Kisten zu füllen, zu schleppen und zu verladen. Aktuell packt Ilka Erdmann immer eine Kiste pro Tag, wenn sie zu Hause arbeitet. Nach der Umstellung auf die digitale Akte würde neue Arbeit dann automatisch und per Knopfdruck in ihrem Heim-Büro landen.

 

Info

Deutsche Rentenversicherung Mitteldeutschland:

Beschäftigte
insgesamt: 3.711
davon Frauen: 2.922
davon Männer: 586
Frauenquote: 78,74%

In Teilzeit arbeiten 1.526, in Telearbeit sind 323, und aktuell in Elternzeit sind 27 Beschäftigte.