Illustration: Hände in 2D



Diskutieren & Mitbestimmen


Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales hatte gemeinsam mit der Bundeswahlbeauftragten für die Sozialversicherungswahlen Rita Pawelski Ende April Vertreterinnen und Vertreter der Selbstverwaltung aus den Sozialversicherungszweigen zur Online-Podiumsdiskussion geladen. Thema: Selbstverwaltung in Zeiten von Corona.

Bundesarbeitsminister Hubertus Heil würdigte das ehrenamtliche Engagement der Selbstverwalter in der Corona-Krise. Die Sozialversicherungen hätten maßgeblich dazu beigetragen, die sozialen Folgen der Pandemie abzumildern. Er hob dabei auch die gute Arbeit der Deutschen Rentenversicherung hervor. Sie habe trotz Corona dafür gesorgt, dass die Rentnerinnen und Rentner stets ihr Geld pünktlich auf dem Konto hatten.

Die Bundeswahlbeauftragte Rita Pawelski würdigte ebenso wie Heil die in dieser Legislaturperiode beschlossene Modernisierung der Sozialwahlen. Es sei „ein riesiger Erfolg“, dass mehr als 20 Millionen Versicherte in den Krankenkassen in zwei Jahren erstmals die Möglichkeit haben werden, bei der Wahl der Verwaltungsräte ihre Stimme nicht nur per Brief, sondern auch online abzugeben. „Generationen von Selbstverwalterinnen und Selbstverwaltern haben dafür geworben. Jetzt ist es gelungen“, sagte sie.

Alexander Gunkel, alternierender Vorsitzender des Bundesvorstandes der Deutschen Rentenversicherung Bund für die Arbeitgeberseite, erklärte, die Finanzen der Rentenversicherung seien trotz Corona weiterhin stabil. Er verwies zudem auf die Leistungsfähigkeit der Rehabilitation. Viele Kliniken der Deutschen Rentenversicherung hätten in der Pandemie wegen der Kontaktbeschränkungen zunächst schließen müssen. Der Rückstau an Rehabilitationen sei aber so gut wie aufgelöst. Die Rentenversicherung bereite sich nun auf eine verstärkte Nachfrage nach Rehabilitationsleistungen für Post-COVID-Patienten vor.

„Die Selbstverwaltung stärkt die Resilienz unseres Sozialsystems“, sagte Anja Piel, für die Versicherten im Bundesvorstand der Deutschen Rentenversicherung Bund. Um dies auch künftig sicherzustellen, sei es wichtig, die Selbstverwaltung attraktiver zu machen, vor allem für Jüngere und für Frauen. Dazu sei auch ein fairer Ausgleich für die im Ehrenamt verbrachte Zeit notwendig. Alexander Gunkel lobte die neuen Sozialwahlgesetze, die hier viele Impulse der Sozialpartner aufgegriffen hätten: „Wir sehen uns selbst in der Verpflichtung, das umzusetzen“. Anja Piel wies in diesem Zusammenhang darauf hin, dass es auch die Freiräume zum Diskutieren und Mitbestimmen seien, die Menschen vom Ehrenamt in der Sozialversicherung überzeugten.

Rita Pawelski, die als Bundeswahlbeauftragte nach gut zwei Stunden Diskussion das Schlusswort übernahm, kam noch einmal auf die neuen Sozialwahlgesetze zurück. „Wir brauchen die Begeisterungsfähigkeit und den Elan der jungen Menschen, die neue Ideen bringen“, sagte sie. Die beschlossene Einführung von Geschlechterquoten für die Selbstverwaltungs-Gremien sei ein wichtiger Schritt nach vorn. „Die Selbstverwaltung muss wieder mehr Verantwortung bekommen, mehr Mitsprachemöglichkeiten! Wir sollten dieses Instrument nicht schwächen, sondern stärken.“

Wie funktioniert die Soziale Selbstverwaltung? Hintergründe und Neuigkeiten finden Sie unter: www.soziale-selbstverwaltung.de

 

Spiegel der Gesellschaft

Naseer Ahmad Nezami, Sachbearbeiter, Deutsche Rentenversicherung Bund

Die Deutsche Rentenversicherung Bund hat Geflüchtete auf eine Ausbildung vorbereitet – mit Erfolg.
Mit kaum 20 Jahren musste Naseer Ahmad Nezami aus seiner Heimat Afghanistan nach Deutschland flüchten. Er lernte gerade Deutsch in einer Willkommensklasse, als er von der Einstiegsqualifizierung der Deutschen Rentenversicherung Bund erfuhr. „Das klang spannend“, sagt er heute, fünf Jahre später. Naseer Ahmad Nezami ist gut im Arbeitsleben angekommen. Er ist ausgebildeter Sozialversicherungsfachangestellter und arbeitet als Sachbearbeiter bei der Deutschen Rentenversicherung Bund. 2016 bis 2019, jeweils zehn Monate lang, führte der Rentenversicherungsträger in Zusammenarbeit mit der Agentur für Arbeit drei Qualifizierungsprogramme für geflüchtete Menschen durch. Die Teilnehmenden sollten auf eine Ausbildung bei der Rentenversicherung vorbereitet werden. Das ist bei der großen Mehrzahl gelungen: 19 von 42 Teilnehmenden wurden im Anschluss in eine Ausbildung zur oder zum Sozialversicherungsfachangestellten, elf zum Fachinformatiker oder zur Fachinformatikerin aufgenommen. 2019 lief das Programm aus.