Rente und arbeiten?
Zwei Mitarbeiterinnen der Deutschen Rentenversicherung Berlin-Brandenburg berichten, wie ein aktiver Lebenswandel dabei helfen kann, jung zu bleiben.

- Der Artikel erzählt die inspirierenden Geschichten von zwei Frauen, die nach Schicksalsschlägen und im Rentenalter weiterhin arbeiten, weil es ihnen Freude bereitet und sie gebraucht werden. Er zeigt, wie Arbeit nicht nur finanzielle Sicherheit, sondern auch Sinn und soziale Kontakte bieten kann. Ihre Lebenswege machen Mut, flexibel zu bleiben und neue Chancen zu ergreifen.
Pia Kadow hatte schon sehr viele Jobs. Sie arbeitet mit nur geringen Unterbrechungen, seit sie 17 ist, allerdings selten in Vollzeit. Nach der Mittleren Reife machte sie eine Ausbildung. Nach nur wenigen Jahren als Sozialversicherungsfachangestellte bei einer Krankenkasse lernte sie ihren späteren Mann kennen. Er wurde gerade Beamter der Landesversicherungsanstalt (LVA) Berlin, der heutigen DRV Berlin-Brandenburg. Sie bekamen ein Kind und sie blieb – das war in West-Berlin damals üblich – zu Hause. Ihrem Mann gefiel das. Ihr aber fiel nach einem Jahr die Decke auf den Kopf. Die Krankenkasse wollte sie nicht in Teilzeit beschäftigen. Da verkaufte sie eben Tupperware, war Abrufkraft für die Bundespost, fuhr zahntechnische Produkte aus, arbeitete in einem großen Versicherungsbüro. „Ich habe das gemacht, was gerade gesucht wurde, immer geringfügig, fast 20 Jahre lang.“ Dann wollte sie wieder etwas Sozialversicherungspflichtiges machen. Sie fand Arbeit bei einem Versicherungsmakler.
Plötzlich Witwe
Sie hatten sich gerade eine Immobilie gekauft und saniert, als 2003 plötzlich und völlig unerwartet ihr Mann starb. Ihr Glück, eine Arbeit zu haben, währte anschließend auch nicht mehr lange. Sie schrieb Hunderte Bewerbungen in alle Richtungen. Teils bekam sie nicht einmal Antworten – sie war 46. Dann erinnerte sie sich an das mitfühlende Beileidsschreiben, das der Arbeitgeber ihres verstorbenen Mannes geschickt hatte. Auch seine früheren Kolleginnen und Kollegen, mit denen sie zu tun hatte, als sie sein Büro räumen und Witwenrente beantragen musste, waren nett. Sie fasste Mut und bewarb sich initiativ bei „der Rente“. Ob sie auch in der Mikrofilmstelle arbeiten würde? „Mir war das egal, ich war glücklich, weil ich wieder arbeiten durfte. Ich hatte Kredite und einen Sohn in der Ausbildung.“ Berufsbegleitend wurde sie zum zweiten Mal Sozialversicherungsfachangestellte – diesmal der Rentenversicherung, als Älteste ihres Lehrgangs. „Das war fordernd! Manche haben schon nach vier Wochen aufgegeben.“ Sie hielt durch und hatte auch den Mut, um Hilfe zu bitten, wenn sie merkte, dass die Praxis sie noch überforderte.
Allein radeln? Macht keinen Spaß
Im Mai 2023 überschritt sie die Regelaltersgrenze. Damit endete auch ihr Arbeitsvertrag. Sie wollte weitermachen. „Bisschen Kopfarbeit ist nicht verkehrt. Das Salz in der Suppe zu spüren, wenn es ein komplizierter Fall ist. Die Kollegen und meine Chefin sind nett.“ Sie unterschrieb einen Arbeitsvertrag über eine 25-Prozent-Stelle und bekommt jetzt parallel Altersrente und ihren Verdienst. Sie hat zwei Enkel und noch mehr Hobbys. Eines ihrer größten ist das Fahrradfahren in der Gruppe, „alleine macht es keinen Spaß“. Sie ist mit Leidenschaft ADFC-Tourenleiterin und radelt auch die elf Kilometer zwischen Wohnort und Dienststelle. „So was hält einen jung!“ Vor zehn Jahren hat sie die Alpen mit dem Rad überquert, von E-Bikes hält sie gar nichts. Außerdem hat sie einen Garten, schwimmt und macht Gerätetraining. Wie lange sie noch arbeiten will? „Ich bin ein Arbeitsmensch. So lange es noch Spaß macht und meine Gesundheit mitmacht – ich schaue immer nach vorn und denke positiv.“

„Mit der Altersrente ist nicht alles vorbei!“
Maria Badowska, Deutsche Rentenversicherung Berlin-Brandenburg
Wenn der Zufall mitspielt
Abwechslungsreich ist ein Adjektiv, das auch auf das Leben von Maria Badowska passen würde. Die gebürtige Warschauerin kam 1974 nach West-Berlin. Sie war frisch mit einem Iraner verheiratet, mit dem sie nach dem Ende seines Studiums weiter in das damals Persien genannte Land zog. In der völlig fremden Kultur fühlte sie sich nicht wohl. 1976 ging es zurück in den Westteil Berlins, sie war hochschwanger. Sie wurden glückliche Eltern einer Tochter, doch ihr ausländerrechtlicher Status war schwierig. Es wurde nicht leichter dadurch, dass sie sich von ihrem Mann trennte. Sie sprach schon damals fließend Deutsch, und der Zufall half: „In dem Moment, in dem meine Aufenthaltserlaubnis endete, fand ich eine Arbeit bei der LVA Berlin, als Schreibkraft mit polnischen Sprachkenntnissen.“ Danach war die Aufenthaltserlaubnis kein Problem mehr.
Auch ihr wurde eine Fortbildung angeboten. Die gelernte Lebensmitteltechnikerin wurde berufsbegleitend zur Sozialversicherungsfach angestellten. In ihrer neuen Stelle konnte sie ihr Polnisch ebenfalls gut brauchen. Sie half Menschen, die als polnische Staatsbürger in der Bundesrepublik oder der DDR sozialversicherungspflichtig tätig waren oder umgekehrt als deutsche Staatsbürger in Polen und die jetzt eine Rente in einem der beiden Länder beantragten. Das war und ist keine einfache Materie. 1975 schloss die damalige Bundesrepublik mit Polen ein Sozialversicherungsabkommen. Es gilt für manche Menschen bis heute, auch wenn das Land seit 2004 EU-Mitglied ist.
13,3 % der Rentnerinnen und Rentner
im Alter von 65 bis 74 Jahren in Deutschland sind erwerbstätig.
(Statistisches Bundesamt 2023)
Zurück aus der Rente
Im Mai 2020 ging sie in Altersrente. Weil ihre Fachkenntnisse aber auf dem Arbeitsmarkt so schwer zu bekommen waren, bat sie ihr früherer Arbeitgeber zurückzukommen. Nur fünf Monate nach dem Rentenbeginn war Maria Badowska wieder im Dienst, mit einer halben Stelle. „Ich arbeite sehr gern. Es war und ist ein schönes Gefühl, gebraucht zu werden. Die jungen Leute können noch nicht so viel wissen, da helfe ich gern.“
Ihr Privatleben kommt nicht zu kurz. Sie hat einen kleinen Garten und ist seit elf Jahren Oma. Sie würde gern mehr reisen, hat aber aktuell keinen Begleiter. Wenn es nötig ist, kümmert sie sich um den Enkel, das macht ihr Spaß. Tochter und Enkel freuen sich, dass sie auch mal finanziell aushelfen kann. „Die Rente ist nicht schlecht, und das Gehalt ist auch gut.“ Die Arbeit ist für sie auch in anderer Hinsicht eine Bereicherung. Genau wie Pia Kadow radelt auch sie gern und läuft gern zu Fuß, auch im Alltag. „Ich bin gern an der frischen Luft. Bewegung ist wichtig.“ Wie lange will sie noch arbeiten? Sie lacht: „So lange ich gebraucht werde. Wenn ich private oder gesundheitliche Probleme bekomme, höre ich auf.“
Ihr Fazit: „Mit der Altersrente ist nicht alles vorbei! Die Arbeit gibt mir Halt in diesen turbulenten Zeiten. Es ist noch nicht so lange her, dass Angestellte nach der Altersgrenze nicht mehr arbeiten durften. Das ist heute anders. Wenn Sie die Möglichkeit und Lust darauf haben, kommen Sie aus der Rente und gehen Sie arbeiten!“