Zum Inhalt springen

„Der Kopf der Frauen ist maximal voll“

Frauen übernehmen neben Beruf und Hausarbeit meist auch die „unsichtbaren“ Aufgaben: vom Kita-Fest über Arzttermine bis hin zum Geburtstag der Oma. Wie man diese „Mental Load“ besser aufteilt.

Die Illustration zeigt eine Person mit geschlossenen Augen und einer Hand, die an den Kopf hält, als ob sie unter Kopfschmerzen leidet. Der Kopf ist mit einem roten Gehirn markiert, um das Unwohlsein zu symbolisieren. Um den Kopf herum verlaufen chaotische, gelbe Linien, die die Verwirrung oder den Stress darstellen, der oft mit Kopfschmerzen oder mentaler Belastung verbunden ist. Der Hintergrund ist ein kräftiges Blau.
Darum sollten Sie diesen Artikel lesen:

Lesen Sie dieses Interview, um zu erfahren, wie die „Mental Load“ von Frauen entsteht und wie sie besser aufgeteilt werden kann. Jo Lücke gibt Einblicke in die Auswirkungen auf die Altersvorsorge und bietet Lösungen, wie Frauen ihre Kümmerarbeit reduzieren können.

Interview: Kira Brück
Altersvorsorge
01/2026

Frau Lücke, Väter sind heute aktiver als früher, doch die Belastung von Müttern nimmt trotzdem nicht ab. Dafür ist die „Mental Load“, die mentale Last, verantwortlich, sagen Sie. Was meinen Sie damit? Jo Lücke: Der Kopf vieler Frauen ist heutzutage maximal voll, weil sie an alles denken und auch organisieren müssen: Geburtstagsgeschenke kaufen, den Kuchen für die Kita backen, zu kleine Kleidung aussortieren, Spielverabredungen und Arzttermine vereinbaren. All das ist eben Teil der Familien- und Kümmerarbeit.

Eine Frau mit Brille und roter Kette steht mit verschränkten Armen in einem Büroflur und blickt selbstbewusst in die Kamera.

Jo Lücke (41)

ist Expertin für gleichberechtigte Sorgearbeit. Sie hält Vorträge und gibt Seminare. Bereits 2018 hat sie den viel beachteten „Mental-Load- Test“ entwickelt, der innerhalb einer Familie die Sorgearbeit sichtbar macht. 2024 erschien ihr Buch „Für Sorge: Wie Equal Care euer Familienleben rettet“.

Was bedeutet das für die Altersvorsorge? Die Männer geben in der karrieretechnisch entscheidenden Phase zwischen 30 und 40 Jahren häufig richtig Gas. Die Frauen dagegen stecken wegen der Familiengründung in dieser Zeit beruflich eher zurück und können das bis zum Ruhestand dann nicht mehr aufholen.

Warum ist die „Mental Load“ nach wie vor Frauensache? Durch weiterhin tradierte Rollenbilder. Man kann bis in die Antike zurückverfolgen, wie Arbeit hierarchisiert wurde. Wertvoll war, wer für seine Tätigkeit Geld bekam. Als notwendiges Übel hingegen galten die scheinbar profanen Haushaltsaufgaben, die von Frauen erledigt wurden. Ihre Arbeit wurde schon immer abgewertet.

Frauen haben heute zudem auch Karrieren. Warum wird die mentale Last nicht geteilt? In Westdeutschland durfte eine Frau bis in die 1970er-Jahre kein eigenes Bankkonto eröffnen. Wenn sie arbeiten wollte, musste sie meist einen Tauschhandel eingehen: Solange die Wohnung sauber war, eine warme Mahlzeit auf den Tisch kam und die Kinder gut in der Schule waren, erlaubte der Mann die Berufstätigkeit. Deshalb haben die meisten Frauen bis heute die „Mental Load“ nicht abwerfen können.

Nach Schätzungen managen zwei Drittel der Frauen Haushalt und Familie überwiegend allein. Warum teilen sich Paare nicht besser auf? Die Absichten sind oft da, aber ist das Baby dann auf der Welt, explodiert der Arbeitsumfang. Der ganze Tagesablauf dreht sich um das Kleine, es bleibt kaum Zeit, um zu reflektieren. Wenn es stressig wird im Leben, greift man automatisch auf Lebensentwürfe zurück, die man kennt. Die meisten Männer haben ihre Väter als ständig arbeitend erlebt. Also tun sie es jetzt auch, weil sie glauben, die Familie ernähren zu müssen.

Wie können Frauen es schaffen, die „Mental Load“ zu verringern und besser aufzuteilen? Indem sie ganze Aufgabenpakete abgeben. Also nicht nur die Schatzsuche, sondern gleich die Organisation der Kindergeburtstage. Nur so wird ihre „Mental Load“ wirklich kleiner. Wie im Job ist eine saubere Übergabe wichtig. Und dann den anderen aber auch machen lassen, wie er es für richtig hält, und sich nicht ständig einmischen. Um wirklich ein Verständnis für den Umfang der gedanklichen Kümmerarbeit zu entwickeln, kommt man nicht drum herum, miteinander zu sprechen. Als Grundlage empfehle ich den Mental-Load-Test.

Kostenlos verfügbar: 

t1p.de/Test-Mental-Load