Auf Gesundheit programmiert
Im Reha-Zentrum Bad Pyrmont ist Yan Luka Keita bestens vernetzt. Sein Ziel: die Angebote des Hauses sichtbar machen. Dafür fängt er bei sich selbst an.
Der Artikel gibt einen spannenden Einblick, wie digitale Tools und Engagement im Reha-Alltag die Betreuung von Patientinnen und Patienten verbessern. Er zeigt, wie Kommunikation, Feedback und Eigeninitiative die Reha-Erfahrung positiv beeinflussen können.
Wenn eine neue Chatnachricht auf seinem Bildschirm erscheint, weiß Yan Luka Keita, dass er gebraucht wird. Mehrmals am Tag melden sich Rehabilitanden über die Klinik-App mit den unterschiedlichsten Anliegen bei ihm. Fragen zum Therapie-Plan oder WLAN im Zimmer – alles kommt auf seinen Schreibtisch. Konzentriert klickt sich der 25-Jährige durch die Nachrichten, sortiert, priorisiert. Bei Bedarf werden die Anfragen weitergeleitet. „Ich bin hier vor Ort eine der ersten Anlaufstellen neben der Rezeption und der Pflege“, erklärt Yan Luka Keita und greift nach einem Stapel Fragebögen. „Und am Ende der Reha bekomme ich die Rückmeldungen unserer Rehabilitanden. Verbesserungsvorschläge gebe ich direkt an die Abteilungsleiter, damit das Feedback genutzt werden kann.“
Auch Lob und Zustimmung sind für ihn in der Öffentlichkeitsarbeit wichtige Informationsquellen: „Wertschätzung gehört zur psychischen Gesundheit und das ist etwas, was wir nicht nur unseren Rehabilitanden näherbringen wollen. Wir pflegen selbst einen wertschätzenden und achtsamen Umgang miteinander“, so der gelernte Fachinformatiker, während er ein Beispiel seiner Arbeit zeigt. Die besten Zitate von Rehabilitanden veröffentlicht er am „Feedback-Freitag“ auf Social-Media- Kanälen. „Ich bin jemand, der Lob sehr wichtig findet. Deshalb spare ich selbst nicht damit“, erzählt er und zeigt ein fröhliches Grinsen. „So gehe ich auch durchs Haus.“
Yan Luka Keita arbeitet seit zwei Jahren im Therapiezentrum Friedrichshöhe, das zum Reha-Zentrum Bad Pyrmont gehört. Seine Programmierfähigkeiten sind ihm dabei immer wieder von Nutzen. „Ich bin unter anderem verantwortlich für unseren Internetauftritt und die Klinik-App“, erklärt er und ruft die Inhalte auf seinem Computer auf. „Manch eine Anpassung für die Internetseite habe ich selbst programmiert“, sagt Yan Luka Keita nicht ohne Stolz, „Für die App habe ich neulich Übungsanleitungen digitalisiert, die ein Psychologe unseres Hauses entwickelt hatte. Jetzt sind sie für alle Rehabilitanden nutzbar.“ Begeistert manövriert er sich durch die Angebotskacheln und deutet auf den neuesten Beitrag: einen virtuellen Rundgang. „Den hat eine Firma für uns gemacht. Jetzt wollen wir noch Mitarbeiterinterviews und Ansprechpartner einfügen, damit sich die Rehabilitanden noch besser zurechtfinden“, sagt Yan Luka Keita, während er einige Stationen des Rundgangs zeigt. Besprechungs- und Therapieräume, die Lehrküchen, der Säulengang: Alles ist gut wiedererkennbar. Sich verlaufen war gestern.
Persönliche Ansprache ist wichtig
Für seine Arbeit trägt Yan Luka Keita Informationen aus dem gesamten Haus zusammen. Das geht am besten, wenn er mit seinen Kolleginnen und Kollegen persönlich spricht. „Auf diese Weise können wir direkt klären, welche App-Funktionen wir brauchen oder ob es neue Inhalte gibt, die ich digitalisieren kann “, erklärt er auf seinem Weg durch das Rehazentrum, bevor er einen kurzen Stopp vor dem Speisesaal macht. Vor dem Eingang hängt ein Bildschirm, auf dem abwechselnd eingeblendet wird, worauf die Küche Wert legt: Essen ohne Geschmacksverstärker, gesunde Öle, frische Kräuter. Farbenfrohe Bilder untermalen die Botschaften. „Meine Aufgabe ist es, die Angebote des Rehazentrums sichtbar zu machen“, sagt Yan Luka Keita, deutet auf den Bildschirm und fährt fort: „Der begehrteste Teil der App ist der Speiseplan. Die Statistik spricht da Bände.“
Am Pflegestützpunkt wird der Kollege aus der Öffentlichkeitsarbeit herzlich begrüßt. Mit den diensthabenden Gesundheitspflegerinnen tauscht er sich regelmäßig aus. Aber heute holt sich Yan Luka Keita keine Informationen oder Unterlagen ab: Er kommt zum Check-up. Während Kranken- und Gesundheitspflegerin Judy Wolf-Süß ihm die Armmanschette zum Blutdruckmessen umlegt, wirkt ihr Patient leicht schuldbewusst: „Ich weiß, dass ich noch mehr für meine Gesundheit tun kann. Bei gutem Wetter fahre ich zwar mit dem Rad zur Arbeit, ich verzichte oftmals auf Zucker und treibe regelmäßig Sport. Aber ich rauche auch, das ist nicht so gut.“ Früher habe er noch ungesünder gelebt und sei deshalb froh, dass er auch Zusatzangebote wie den Betriebssport nutzen kann. „Außerdem habe ich hier gelernt, gesund zu essen. Ich habe einfach unterschätzt, wie wichtig die Ernährung auch für mich als Sportler ist.“
Nach der Untersuchung kehrt Yan Luka Keita nachdenklich in sein Büro zurück. Sein Blutdruck war leicht erhöht, das hat ihn überrascht. Aufregung kann eine Ursache sein. Kaffee aber auch. Er zieht beide Möglichkeiten in Betracht. „Die Kaffeemaschine bleibt erst mal kalt und nachmittags gehe ich zum Sport“, nimmt er sich vor und setzt sich wieder hinter seinen Schreibtisch. Es warten einige Anfragen auf seine Bearbeitung. Ein Rehabilitand sucht die Sportkurse, ein anderer die Freizeitangebote. Zügig tippt Yan Luka Keita für jeden eine passende Antwort. Er ist sofort wieder in seinem Element.