Bittersüßer Zucker
Wie findet man versteckten Zucker? Wie schädlich ist süßes Obst? Ernährungsberaterin Karin Barwich berichtet aus ihrem Alltag in der Rehaklinik Rosenberg in Bad Driburg.
Lesen Sie den Artikel, um zu erfahren, wo sich Zucker im Alltag versteckt, wie stark er die Gesundheit beeinflusst und mit welchen einfachen, realistischen Strategien sich der Zuckerkonsum nachhaltig reduzieren lässt.
Wer von Karin Barwich beraten wird, bekommt als Erstes eine Hausaufgabe: eine genaue Übersicht der eigenen Essgewohnheiten aufzustellen. Was frühstücken Sie? Was essen Sie zu Mittag? Was zu Abend? Und, ganz wichtig: Wie häufig und was naschen Sie zwischendurch? „Unser Ziel ist es herauszufinden, wie viel Zucker unsere Rehabilitanden zu sich nehmen – oftmals, ohne es zu wissen, denn in vielen Lebensmitteln schlummert die Gefahr versteckt.“
Seit 38 Jahren arbeitet die 63-Jährige als Ernährungsberaterin und Diplom-Ökotrophologin in der Rehaklinik der Deutschen Rentenversicherung in Bad Driburg. Sie weiß, wie schwer es den meisten Menschen fällt, ihren Zuckerkonsum langfristig zu reduzieren. Der Grund dahinter ist simpel: Zucker macht glücklich. Zumindest kurzfristig, denn süße Speisen erzeugen im Gehirn eine Art Belohnungseffekt. „Doch langfristig schadet der Konsum enorm – und zwar mehr, als viele ahnen“, erklärt sie. Zucker sei schädlich, weil er zu Übergewicht, Diabetes mellitus Typ 2, Leberverfettung bis hin zu Herz-Kreislauf- und Gelenkerkrankungen führen könne. Durch das Übergewicht wiederum kann es zu starken Rückenschmerzen kommen, sodass Betroffene nicht nur Lebensqualität einbüßen, sondern häufig sogar nicht mehr im erlernten Beruf arbeiten können.
Um das zu verhindern, ermöglicht die Deutsche Rentenversicherung ihren Versicherten unter bestimmten Voraussetzungen eine medizinische Rehabilitation, die neben Bewegungstherapien, Ernährungsberatung und psychologischen Gesprächen auch praktische Schulungen in der Lehrküche umfasst. „Viele Patienten sagen, dass ihnen die Zeit zum Kochen fehlt. Wir zeigen, dass man innerhalb von Minuten etwas Gesundes und Leckeres zubereiten kann.“
Ganz nebenbei lernt man dabei, in welchen Lebensmitteln sich wie viel Zucker versteckt. „Das sind neben Softgetränken und Süßigkeiten, an die man sofort denkt, zum Beispiel auch Müslis, fertige Salatdressings und hochverarbeitete Lebensmittel wie Fertiggerichte“, erklärt Barwich. Auch in eigentlich gesundem Obst steckt jede Menge Zucker. Diese sogenannte Fruktose kann mitverantwortlich sein für Übergewicht, Fettleber und erhöhte Blutfettwerte. „Natürlich soll man trotzdem Obst essen. Wie immer kommt es auf die Menge an.“
Aber Barwich weiß auch, dass die Theorie das eine ist, die Praxis jedoch das andere. „Nicht wenige fallen zurück in alte Muster, wenn sie wieder zu Hause sind.“ Als wichtige Unterstützung sieht sie darum die Angehörigen, die auf Wunsch in die Therapie einbezogen werden. Und noch etwas hilft: Mit jedem Rehabilitanden erarbeitet Barwich vor der Entlassung einen Plan: „Dieser beinhaltet drei individuelle Ernährungsziele, nicht mehr.“ Das können beispielsweise drei geregelte Mahlzeiten am Tag sein oder abends als Spätmahlzeit ein Teller mit Obst und Gemüse vorzubereiten: „So vermeidet man Heißhungerattacken und schafft es langfristig, weniger Zucker zu sich zu nehmen.“
Weitere Informationen:
t1p.de/DRV-Reha-Bad-Driburg
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Immer mehr Diabetiker
Die Deutsche Rentenversicherung reagiert auf die steigende Zahl von Diabetes- Erkrankungen und stärkt das therapeutische Personal in ihren Rehakliniken. Beispielsweise in den Fachabteilungen für Kardiologie und Gastroenterologie mit diabetologischem Schwerpunkt oder im Bereich der Endokrinologie sind zusätzlich speziell ausgebildete Diabetesberaterinnen und -assistenten im Einsatz. Mit der Maßnahme werden die Patienten besser versorgt. Auf diese Weise sind die Reha-Erfolge nachhaltiger.
Denn Diabetes ist längst eine Volkskrankheit: In Deutschland leben aktuell über neun Millionen Menschen mit der Diagnose. Bis 2040 rechnet die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) mit mehr als zwölf Millionen Betroffenen. Unzureichend behandelt kann Diabetes die Lebenszeit verkürzen. Rund 7.000 Menschen nahmen allein 2023 wegen einer Diabetes-Erkrankung eine Reha in Anspruch. Moderne Therapien, Insulinpumpen und kontinuierliche Glukosemessungen erfordern Fachwissen und gezielte Schulung. Hier setzen die neuen Strukturanforderungen an: Qualifizierte Diabetesfachkräfte entlasten die ärztlichen Teams, übernehmen Schulungen, unterstützen die Lebensstilumstellung und stärken das Selbstmanagement.