Schmerz, lass nach!
Eine multimodale Schmerztherapie kann helfen, die Lebensqualität von Betroffenen dauerhaft zu verbessern.
Der Artikel erklärt anschaulich, wie chronische Schmerzen durch ganzheitliche Reha-Maßnahmen gelindert werden können.
Sie sind dumpf, bohrend, brennend und manchmal unerträglich. Viele Menschen kennen Schmerzen. Doch während es für akute Schmerzen einen kausalen Zusammenhang gibt und diese meist nach kurzer Zeit abklingen, bleiben chronische Schmerzen dauerhaft bestehen und beeinflussen nicht nur den Körper, sondern auch das seelische Wohlbefinden, den Schlaf, das soziale Leben und die Arbeitsfähigkeit. Unter diesem Teufelskreis leiden nicht nur die Betroffenen selbst, sondern häufig auch ihr soziales und berufliches Umfeld.
Was sind chronische Schmerzen?
Von chronischen Schmerzen spricht man, wenn die Beschwerden länger als drei bis sechs Monate andauern oder immer wiederkehren – unabhängig von ihrer ursprünglichen Ursache oder der Tatsache, dass die Verletzung längst verheilt ist.
„Chronische Schmerzen sind wie ein Fehlalarm im Nervensystem – der Körper schlägt Alarm, obwohl keine akute Gefahr mehr besteht“, erklärt Dr. Florian Jena. Als Facharzt für Orthopädie, manuelle Medizin, physikalische Therapie und Balneologie sowie ärztlicher Osteopath ist er Experte für die Behandlung von chronischen Schmerzen. Häufig sind Körper- und Seelenschmerzen eng miteinander verwoben, da die Bewertung von Schmerzen in einem Gebiet im Gehirn stattfindet, das auch Sitz von Gefühlen und Emotionen ist. So können psychischer Stress, aber auch Unzufriedenheit am Arbeitsplatz, Schwierigkeiten in der Familie, finanzielle Probleme oder andere negative Erlebnisse zur Zunahme von Schmerzen führen.
„Chronische Schmerzen sind wie ein Fehlalarm.“
Dr. Florian Jena,
Oberarzt in der Fachklinik für Psychosomatik und Orthopädie Lindenberg-Ried
Die Spirale durchbrechen
Chronische Schmerzen treten oft im Rücken oder Kopfbereich, in den Gelenken oder am ganzen Körper auf und führen dazu, dass Betroffene sich schonen. Dies kann zu Bewegungseinschränkungen, muskulären Dysbalancen und letztlich zu noch mehr Schmerzen führen. Auch die Angst vor Bewegung oder eine Frustration über die eingeschränkte Lebensqualität verstärken das Schmerzempfinden. „Wer unter chronischen Schmerzen leidet, verliert oft das Vertrauen in den eigenen Körper. Es ist besonders wichtig, dass wir während der Reha bei den Betroffenen das Vertrauen in ihre eigene Leistungsfähigkeit stärken und eine dauerhafte Verbesserung ihrer Beschwerden herbeiführen“, betont der Oberarzt. „Den Schalter zum Beenden der chronischen Schmerzen gibt es in der Regel nicht. Es ist die Summe vieler kleiner Dinge, die der Patient ändern kann, um seine Beschwerden positiv zu beeinflussen.“
In der Rehabilitation steht deshalb nicht allein die Beseitigung der Schmerzen im Vordergrund. Ziel ist vielmehr, dass die Betroffenen lernen, dass sie trotz ihrer Schmerzen wieder ein aktives und selbstbestimmtes Leben führen können. Dabei setzt die Fachklinik Lindenberg-Ried auf die sogenannte multimodale Schmerztherapie. Das bedeutet: Die Behandlung chronischer Schmerzen erfolgt ganzheitlich, also körperlich, psychisch und sozial und setzt sich aus verschiedenen Elementen zusammen. „Unser Ziel ist es, unsere Patientinnen und Patienten während ihrer in der Regel dreiwöchigen Maßnahme möglichst schnell wieder in Bewegung zu bringen, ihre Schmerzen zu reduzieren und eine weitere Chronifizierung zu verhindern. Damit sich ein dauerhafter Erfolg einstellt, geben wir ihnen zuverlässige Strategien an die Hand, mit denen sie auch nach ihrem Aufenthalt bei uns gut zurechtkommen – zu Hause, im Beruf und in ihrer Freizeit“, erklärt Dr. Florian Jena.
Viele Wege, ein Ziel: mit einer Reha die Lebensqualität zurückgewinnen
In der Rehabilitation setzt die Fachklinik Lindenberg-Ried auf eine multimodale Schmerztherapie, bei der Experten aus Medizin, Physiotherapie, Psychotherapie und Ergotherapie zusammenarbeiten, um die Funktionsfähigkeit des Patienten ganzheitlich wiederherzustellen.
Medikamentöse Therapie:
Eine individuell angepasste medikamentöse Therapie hat das Ziel, den Schmerzreiz schnell zu unterbrechen und wird bei Bedarf für den Patienten aus verschiedenen Wirkstoffen kombiniert.
Physiotherapie:
Ein zentraler Bestandteil der Therapie ist die gezielte Bewegung. Durch aktive Übungen, Muskelaufbau, Dehnung und Haltungsschulung wird der Körper gestärkt – und die Angst vor Bewegung abgebaut. Hierbei kommen Krankengymnastik, Massagen, Manuelle Therapie, aber auch Wärme- und Kältebehandlungen zum Einsatz.
Sporttherapie:
Nach dem Motto „Jeder findet seine Sportart!“ werden die Patienten beim Nordic Walking, Schwimmen oder Radfahren behutsam wieder an sportliche Aktivitäten herangeführt und ihre Ausdauer, Beweglichkeit und Körperkoordination verbessert.
Psychotherapie:
Chronische Schmerzen belasten auch die Psyche. In Vorträgen und Gesprächen lernen Patienten, wie sie besser mit ihren Schmerzen umgehen, negative Denkmuster durchbrechen und Stress reduzieren können. Verschiedene Entspannungsmethoden helfen, den Schmerz loszulassen.
Osteopathie:
Die Osteopathie versteht Gesundheit als einen Prozess dynamischer Wechselwirkungen zwischen körperlichen, geistigen und seelischen Kräften eines Menschen in seinem biografischen und psychosozialen Umfeld. Kommt es zu einem Ungleichgewicht, meldet der Körper dies durch Symptome vielfältiger Art, die auch Krankheitszeichen genannt werden. Ziel der osteopathischen Therapie ist es, die selbstregulierenden Kräfte zu fördern, damit der Organismus gesunden kann.
Eigeninitiative:
Last but not least ist trotz professioneller Hilfestellung die aktive Mitarbeit ein absolutes Muss. Deshalb lernen die Patienten, wie sie von der Passivität in die Aktivität kommen und Eigenverantwortung insbesondere für die Zeit nach ihrem Klinikaufenthalt übernehmen.
Kontakt
Nähere Informationen über die Fachklinik der Deutschen Rentenversicherung Schwaben bietet folgende Web-Seite:
www.klinik-lindenberg-ried.de