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RV Fit im Selbstversuch

Stefanie Ullmann, Mitarbeiterin der Deutschen Rentenversicherung Mitteldeutschland, hat das kostenlose Präventionsprogramm RV Fit absolviert. Hier erzählt sie, warum sie sich dafür entschieden hat. Und, was es ihr bringt.

Das Ambulante Rehazentrum St. Elisabeth Leipzig.
Darum sollten Sie diesen Artikel lesen:

Der Artikel zeigt anschaulich, wie das Präventionsprogramm RV Fit hilft, Alltagsbeschwerden wie Nacken- und Schulterschmerzen vorzubeugen und die eigene Gesundheit aktiv zu stärken. Er vermittelt praktische Tipps und motiviert, Bewegung, Ernährung und Stressbewältigung nachhaltig in den Alltag zu integrieren.

Text: Stefanie Ullmann
Prävention
Sachsen
Sachsen-Anhalt
Thüringen
01/2026

Ein verspannter Nacken, schmerzhafte Schultern. Seit geraumer Zeit plagten mich typische Beschwerden von Menschen, die täglich viele Stunden vor dem Computer verbringen. Ich hatte schon vieles versucht: nutzte eine ergonomische Maus im Arbeitsalltag, machte regelmäßig Sport und Dehnübungen. Trotzdem ärgerten mich meine rechte Schulter und mein Nacken weiterhin hartnäckig. Als mich meine verspannten Muskeln schließlich sogar im Jahresurlaub schachmatt setzen, schwöre ich mir: Es muss sich etwas ändern! Ich beschließe, RV Fit für mich auszuprobieren.

Mit dem Präventionsprogramm unterstützt die Deutsche Rentenversicherung ihre Versicherten dabei, mehr Bewegung, gesunde Ernährung und einen guten Umgang mit Stress im Alltag zu etablieren. Aus meinem beruflichen Kontext kenne ich das Präventionsprogramm bereits. Ich habe es in Pressemitteilungen beschrieben, es Journalistinnen und Journalisten am Telefon vorgestellt und Freunden und Freundinnen bei gemeinsamen Treffen empfohlen. Nun soll es mir helfen, meine Beschwerden zu lindern.

Um die Präventionsmaßnahme bestmöglich in meinen Alltag integrieren zu können, möchte ich sie wohnortnah absolvieren. In Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen beteiligen sich 123 Einrichtungen an RV Fit. Auf der Internetseite des Programms finde ich das Ambulante Rehazentrum (ARZ) St. Elisabeth Leipzig, das nur eine Viertelstunde mit dem Fahrrad von mir entfernt liegt. Mit wenigen Klicks melde ich mich an und erhalte nach 14 Tagen die Bewilligung. Für die sogenannte Startphase werde ich von meinem Arbeitgeber für drei Tage freigestellt.

Eine Dame mit einem Fahrradhelm auf dem Kopf, macht ein Selfie von sich selber.

Erste Aha-Momente

Als ich im September am ersten Tag mit dem Fahrrad den kurzen, steilen Berg zum Rehazentrum hinauffahre, erwartet mich statt eines Klinikgebäudes eine herrschaftliche Villa aus dem Jahr 1899 mit hohen Decken, Dielenböden und Stuckverzierungen. Nach einer kurzen Einführung an der Rezeption geht es für mich in die zweite Etage zur ärztlichen Eingangsuntersuchung.

Seit 2018 bietet das ARZ das Programm RV Fit an. Chefarzt Dr. Matthias Kremer ist von dem Präventionsprogramm überzeugt: „Wir erleben immer wieder, dass viele Menschen erst dann ärztliche Hilfe suchen, wenn die Beschwerden bereits chronisch sind. RV Fit setzt deutlich früher an: Es stärkt die Eigenverantwortung, vermittelt Wissen über Bewegung, Ernährung und Stressbewältigung und hilft dabei, Risikofaktoren aktiv entgegenzuwirken.“

Das Erste, was ich später in der Medizinischen Trainingstherapie lerne, ist die Zungenruhelage: Die Zungenspitze liegt locker hinter den oberen Schneidezähnen, der Zungenrücken leicht am Gaumen an. Sporttherapeutin Doreen Marks erklärt mir, dass die Verbindungen der Faszien der Zunge bis zu den Füßen reichen. Somit haben sie nicht nur Auswirkungen auf die Körperhaltung, sondern können auch Schmerzen in Nacken und Becken verursachen. Anstatt Gewichte stemmen zu müssen, zeigt sie mir kleine Übungen mit Zunge, Kiefer oder Augen. Mit diesen kann ich meine Faszien lockern und so mehr Beweglichkeit im Schulter-Nacken-Bereich erzielen. Es ist nicht das, was ich erwartet, und gleichzeitig so viel mehr, als ich mir erhofft habe. Schon dieser erste Austausch bringt mir neue Impulse, mit denen ich hoffe, meine Verspannungen endlich in den Griff zu bekommen.

Es ist ein erster Schritt. Nun stehen Sporteinheiten auf meinem Therapieplan, aber auch Vorträge zu Ernährung und Stressbewältigung. Sechs Stunden täglich fordere ich mich mit Kraft- und Mobilitätsübungen heraus, erkunde den Leipziger Auwald beim Nordic Walking oder bereite in der Lehrküche zusammen mit fünf weiteren Teilnehmenden ein leckeres und gesundes Drei-Gänge-Menü zu.

„RV Fit stärkt die Eigenverantwortung, vermittelt Wissen über Bewegung, Ernährung und Stressbewältigung.“

Dr. Matthias Kremer,
Chefarzt des Ambulanten Rehazentrums St. Elisabeth Leipzig

Mehr Kraft, bessere Haltung

Am Ende des dritten Tages erhalte ich meinen Plan für die anschließende zwölfwöchige berufsbegleitende Trainingsphase und bin hochmotiviert, dranzubleiben. Dienstagnachmittags und donnerstagmorgens radele ich nun mit dem Fahrrad zum ARZ und absolviere meine Einheiten. Zugegeben, nicht immer habe ich Lust, nach der Arbeit noch einmal loszufahren. Aber wenn ich erst einmal vor Ort bin, genieße ich die Zeit, die ich nur für mich habe. Für die Zeit nach der begleitenden Trainingsphase habe ich schon eine Physiotherapie gefunden, wo ich weiter an Geräten trainieren kann. Auch auf den Auffrischungstag im März freue ich mich. Meine Nackenverspannungen sind noch nicht ganz weg, aber ich habe schon mehr Kraft, eine bessere Körperhaltung und fühle mich wohler in meiner Haut. Allein für dieses Gefühl hat sich die Teilnahme gelohnt.