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„Den Stein ins Rollen bringen“

Die fünf Risikofaktoren fürs Herz sind Übergewicht, Diabetes, Bluthochdruck, Blutfette und Nikotin. Wie wichtig ist die Früherkennung?

Das Bild zeigt zwei Männer in einem klinischen Umfeld. Einer trägt einen weißen Arztkittel und spricht gestikulierend, während der andere, mit einer Glatze und einer Brille, aufmerksam zuhört. Der Mann im Kittel steht links, während der andere rechts im Bild zu sehen ist. Die Szene ist in einer modernen und gut beleuchteten Umgebung aufgenommen.
Darum sollten Sie diesen Artikel lesen:

Lesen Sie dieses Interview, um zu erfahren, wie präventive Maßnahmen und individuelle Reha das Risiko von Herz-Kreislauf-Erkrankungen senken können. PD Dr. Sebastian Göbel erklärt die Bedeutung der Früherkennung und psychischen Gesundheit in der Reha.

Prävention
01/2026

PD Dr. Sebastian Göbel: Eins vorneweg: Mit einer guten Prävention ließe sich ein großer Anteil der Herz-Kreislauf-Erkrankungen vermeiden. In der Reha machen wir Angebote, Veränderungen im Lebensstil vorzunehmen. Es geht darum, den Stein ins Rollen zu bringen und Wissen zu vermitteln. Wir kümmern uns aber auch darum, dass die Rehabilitanden eine Reha-Nachsorge nutzen. 

Immer wieder erkranken auch Menschen mit einem gesunden Lebensstil am Herzen. Wie lässt sich das erklären? Meist haben sie einen auffälligen Familienstammbaum, in dem Herzerkrankungen vorkommen. Die Ursache kann zum Beispiel eine familiäre Hypercholesterinämie (FH) sein. Das ist eine genetische Erkrankung des Cholesterin- Stoffwechsels. Treten in der Familie über Generationen hinweg immer wieder Herzerkrankungen auf, sollten auch jüngere Menschen hellhörig werden und sich untersuchen lassen. 

Einen Herzinfarkt zu erleiden, ist sehr beängstigend. Wie wirkt sich das aus? Durch so ein Ereignis geht das Vertrauen in den eigenen Körper verloren. Viele Herzpatienten entwickeln aus diesem Grund psychische Erkrankungen. 

Was können Sie in der Reha dagegen tun? Es geht zunächst darum, zu signalisieren, dass die Rehabilitanden damit nicht alleine sind und es normal ist, sich diese Sorgen zu machen. Ein relevanter Anteil der Menschen mit einer Herzerkrankung entwickelt eine Depression oder andere psychische Erkrankungen. Wir bieten Hilfe an, denn Depressionen können eine Herzerkrankung verschlechtern. In Gesprächsgruppen gibt es den Raum, eigene Erfahrungen und Ängste zu teilen. Und es gibt die Möglichkeit, psychologisch zu intervenieren. Gerade jüngere Leute nehmen das gut an. 

Kann die Psyche das Herz krank machen? Ja, durch eine Depression und entsprechende Verhaltensmuster, die mit der Erkrankung einhergehen, kann man herzkrank werden. Deshalb bieten wir an unserem Standort eine psychokardiologische Betreuung an.

Ein Arzt in einem weißen Kittel schaut in die Kamera. Er trägt eine Brille und hat kurzes, dunkles Haar. Der Hintergrund ist unscharf, mit hellem Licht und dezenten Farben.

Priv.-Doz. Dr. med. Sebastian Göbel 

ist Ärztlicher Direktor im Reha-Zentrum Bayerisch Gmain (Klinik Hochstaufen) der Deutschen Rentenversicherung.

Wie wichtig ist der individuelle Blick auf herzkranke Rehabilitanden? Sehr wichtig. Wir arbeiten nach dem Vier-Augen-Prinzip. Die kardiologischen Patienten werden bei der Aufnahme von einem Arzt gesehen und am Tag nach der Anreise in unserer Klinik von mir. Anschließend legen wir den Behandlungsplan fest. Dabei spielt die körperliche ebenso wie psychische Verfassung eine Rolle. Wir loten aus, welche Möglichkeiten wir für die Reha sehen, aber auch, was zu dem Zeitpunkt noch nicht geht. Hinzu kommt der sozialmedizinische Aspekt, der unter anderem die berufliche Perspektive betrachtet. 

Ist eine Reha nach einem kardiologischen Eingriff immer nötig? Ja, eine Rehabilitation nach einem kardiovaskulären Ereignis wie einem Herzinfarkt oder einer chronischen Herzschwäche ist ein essenzieller Baustein für eine nachhaltige Gesundheitsförderung. Wir sehen uns zunächst aus ärztlicher Sicht an, wo die Medikation optimiert oder auch die Diagnostik ergänzt werden muss. 70 Prozent unserer Rehabilitanden erhalten einen Herzultraschall. Mit der Entlassung aus der Reha bekommt der niedergelassene Arzt ein Nachsorgeprotokoll, aus dem er detailliert entnehmen kann, welche Behandlung der Rehabilitand erfahren hat, wie sein Status ist und worauf in den nächsten Schritten zu achten ist.