Wenn der Medienkonsum außer Kontrolle gerät
Im Modellprojekt MeKi wird eine Reha für Kinder und Jugendliche mit Medienabhängigkeit entwickelt.
Der Artikel zeigt, wie exzessiver Medienkonsum das Leben von Jugendlichen belasten kann und stellt mit dem Modellprojekt „MeKi“ einen innovativen, praxisnahen Reha-Ansatz vor, der Familien Wege zurück in ein gesünderes analoges und digitales Gleichgewicht eröffnet.
In einer zunehmend digitalisierten Welt ist das Thema Medienabhängigkeit bei Kindern und Jugendlichen ein wachsendes gesellschaftliches Problem. Laut einer DAK-Studie verbringen 10- bis 17-Jährige werktags bereits durchschnittlich vier Stunden vor dem Bildschirm an Wochenenden sind es sogar bis zu 5,5 Stunden. Wenn dieser Konsum außer Kontrolle gerät, kann das gravierende Auswirkungen auf die sozialen Beziehungen, die schulische Leistung und die psychische Gesundheit haben. Diskussionen über mögliche Social-Media-Verbote und Studien über den steigenden Bildschirmkonsum verdeutlichen den Handlungsbedarf.
Hier setzt das Modellprojekt MeKi aus dem Förderprogramm rehapro der Deutschen Rentenversicherung Knappschaft-Bahn-See (DRV KBS) an. Das Projekt wird durch das Bundesministerium für Arbeit und Soziales gefördert. MeKi wurde entwickelt, um 12- bis 17-jährigen Kindern und Jugendlichen mit exzessivem Medienkonsum eine spezialisierte Reha-Maßnahme anzubieten. Bisher gibt es noch keine stationäre Reha, die dieses Problem angeht. MeKi setzt genau da an und bietet eine sechswöchige Reha in der Klinik Schönsicht in Berchtesgaden, verbunden mit einer sechsmonatigen digitalen Nachsorge. Seit Mitte 2025 wird das Konzept in der Klinik Schönsicht erfolgreich getestet. Alle sechs Wochen startet ein neuer Reha-Durchgang mit acht Teilnehmenden, die gemeinsam lernen, wie sie einen gesunden Umgang mit digitalen Medien entwickeln können.
Die Nachfrage nach Reha-Angeboten wie MeKi ist hoch – nicht nur aufgrund der steigenden Anzahl Jugendlicher mit Problemen der Mediennutzung, sondern auch da immer mehr Eltern aktiv nach Unterstützung suchen. Die Klinik Schönsicht verzeichnet eine stetig wachsende Zahl von Anfragen. Das Programm ist gut angelaufen und viele Rehabilitanden berichten bereits von spürbaren Verbesserungen in ihrem Umgang mit digitalen Medien und einer veränderten Freizeitgestaltung.
Entschleunigung in der Natur
Erreicht wird dies durch das von der Klinik Schönsicht und der Charité – Universitätsmedizin Berlin erarbeitete Rehabilitationsprogramm. Im Rahmen der sechswöchigen Reha erhalten die Jugendlichen eine Vielzahl an therapeutischen Angeboten. Neben psychologischen Einzel- und Gruppengesprächen, in denen die Jugendlichen lernen, ihre Emotionen zu verstehen und zu regulieren, ist ein Höhepunkt der Reha-Zeit die tiergestützte Therapie mit Lamas. Hier können die jungen Teilnehmenden Verantwortung übernehmen, Vertrauen aufbauen und die heilende Kraft der Natur erleben. Weitere Angebote wie Töpfern, Wanderungen und Waldspaziergänge fördern die Selbstwirksamkeit und ermöglichen es den Jugendlichen, in einer analogen Umgebung zu entschleunigen und zur Ruhe zu kommen. Ein besonderes Highlight ist das Projekt, bei dem jede Gruppe eine eigene Herausforderung meistert – zum Beispiel die Planung und Durchführung eines mehrtägigen Aufenthalts auf einer Alm von der Anreise bis hin zur Verpflegung, die komplett ohne Handyempfang auskommt. Hier lernen die Jugendlichen, ihre Konzentration und Ausdauer auch im analogen Leben zu schulen und über längere Zeit fokussiert zu bleiben. Die Eltern der Teilnehmenden werden ebenfalls aktiv eingebunden. In Podcasts und videogestützten Gruppensitzungen erhalten sie wertvolle Informationen und können sich über den Umgang mit Medien und deren Einfluss auf die Familie austauschen. Dies ermöglicht einen ganzheitlichen Ansatz, bei dem die ganze Familie von der Reha profitiert. Nach der Reha erhalten die Rehabilitanden eine sechsmonatige Nachbetreuung per Video, um ihre Fortschritte zu stabilisieren und bei Rückfällen oder neuen Herausforderungen Unterstützung zu bekommen
Anträge für die MeKi-Reha können noch bis Oktober 2026 gestellt werden. Dann werden die Ergebnisse der Befragungen zur MeKi-Reha ausgewertet. Sollte sich die Reha als erfolgreich darstellen, wird versucht, das Reha-Angebot für Medienabhängigkeit bei Kindern und Jugendlichen im Regelgeschäft zu etablieren.
Das Modellprojekt MeKi zeigt bereits vielversprechende Ergebnisse. Dabei soll es nicht darum gehen, Medien zu verteufeln, sondern einen verantwortungsbewussten und gesunden Umgang zu vermitteln. So können die Jugendlichen lernen, ihre digitale Welt im Einklang mit der realen Welt zu gestalten.
Modellprojekt MeKi
In der Klinik Schönsicht in Berchtesgaden bietet MeKi ein sechswöchiges Reha-Programm, das Jugendlichen hilft, einen gesunden und bewussten Umgang mit digitalen Medien zu entwickeln. Durch das verbesserte Medienverhalten wird die Lebensqualität der betroffenen Jugendlichen und ihrer Familien nachhaltig gesteigert. Die Kinder und Jugendlichen durchlaufen dafür ein vielfältiges Therapieprogramm mit verschiedenen Behandlungen, wie tiergestützte Therapie, erlebnisorientierte Behandlungen oder Gruppentherapien. Anschließend erhalten die Teilnehmenden eine sechsmonatige digitale Nachsorge, um den erlernten Umgang mit digitalen Medien langfristig zu sichern.
Informationen und Antragsunterlagen:
www.klinikschoensicht.de/medienabhaengigkeit