Nicht vergessen, gemeinsam zu essen
Vom Familienmahl bis zum Businesslunch: Beim Essen entsteht Gemeinschaft. Das nutzen auch die Reha-Kliniken der Deutschen Rentenversicherung.
Lesen Sie den Artikel, wenn Sie wissen möchten, wie gemeinsames Essen in Reha‑Kliniken Beziehungen, Wohlbefinden und Genesung fördert — mit konkreten Beispielen, Forschungsergebnissen und praktischen Impulsen für Patienten, Angehörige und Fachkräfte.
Kaum in der Reha-Klinik Herzoghöhe Bayreuth in Nordbayern angekommen, steht bei der ersten Mahlzeit im Speisesaal schon ein spannender Augenblick bevor: Mit wem wird man für drei Wochen beim Frühstück, Mittagessen und Abendbrot zusammensitzen? Manche der Vierer- und Achtergruppen an einem Tisch brauchen etwas Anlauf, bevor sie gemeinsam Karten spielen oder am Wochenende Ausflüge unternehmen. Andere sind vom ersten Tag an unzertrennlich. Denn beim Essen entstehen Beziehungen. Wer mit am Tisch sitzt, gehört dazu.
„Wer gemeinsam isst, achtet auch aufeinander. Viele sind geradezu fürsorglich.“
Birgit Junga-Beyer, Ernährungstherapeutin, Reha-Klinik Herzoghöhe Bayreuth
Viele Reha-Kliniken der Deutschen Rentenversicherung machen sich diesen Umstand zunutze, damit die Rehabilitanden miteinander ins Gespräch kommen. „Sich wohlzufühlen ist das A und O in der Reha. Die Menschen sollen sich kennenlernen und austauschen können“, erklärt Birgit Junga-Beyer, Ernährungstherapeutin der Reha-Klinik Herzoghöhe Bayreuth. „Wer gemeinsam isst, achtet aufeinander, viele sind geradezu fürsorglich“, so Junga-Beyer.
Am Tisch entsteht Gemeinschaft
„Das gemeinsame Essen ist der zentrale Moment, in dem Gemeinschaft entsteht – oder bekräftigt wird“, sagte Christoph Klotter, Verfasser von Standardwerken zum Thema Psychologie des Essens. Der inzwischen verstorbene Ernährungspsychologe forschte und lehrte an der Universität Fulda zu den sozialen Aspekten des Essens. „In der Menschheitsgeschichte ist das gemeinsame Essen die soziale Erfahrung schlechthin“, analysierte er im Fachmagazin „Psychologie heute“.
Wenn Eltern mit ihren Kindern essen, erfahren sie, was auf dem Schulhof passiert ist, und Kinder hören die Erwachsenen über ihr Berufsleben und ihre Beziehungen zu anderen sprechen. „Dieser Austausch von Erfahrungen und Erlebnissen ist der Kern dessen, was die Familie zusammenhält“, so Klotter. Überraschend ist zudem, dass sich gemeinsame Mahlzeiten in der Familie auch gesundheitlich auszahlen. Wenn Kinder regelmäßig mit ihren Eltern essen, ernähren sich alle Beteiligten gesünder – und zwar nachhaltig. Studien der Universität Pennsylvania zeigen: Wer als Kind häufig am Familientisch saß, ist auch als junger Erwachsener seltener übergewichtig als Gleichaltrige.
Auch in der Berufswelt spielt das gemeinsame Essen nach wie vor eine große Rolle. Heutzutage werden zwar nur noch selten opulente Geschäftsessen zelebriert. Doch ein Businesslunch oder ein Restaurantbesuch im Bewerbungsprozess sind auch weiterhin verbreitet. „Wenn ich mit jemandem zusammen esse, erfahre ich viel mehr über die Person, als wenn ich mit ihr im Meetingraum sitze“, so Klotter. Jemand mit guten Tischmanieren wird als verlässlicher empfunden als jemand, der die Suppe hörbar in sich hineinschlürft.
Gemeinsames Essen ist damit mehr als Alltag – es ist eine Investition in Gesundheit, Zusammenhalt und Zukunft.