100 Jahre Arbeit
Eine Familie, ein Bergwerk: Die Simmroths aus der Rhön kommen zusammen auf fast 100 Jahre Arbeit. Ohne Reha und Prävention wären es wohl weniger geworden.
Dieser Artikel lohnt sich, weil er anhand der beeindruckenden Familiengeschichte der Simmroths zeigt, wie drei Generationen im harten Bergbau zusammen auf fast 100 Jahre Arbeit kommen. Zudem macht er anschaulich deutlich, wie wichtig Reha und Prävention für den Erhalt der Gesundheit bei körperlich schwerer Arbeit sind.
Wer die Geschichte der Familie Simmroth verstehen will, muss einfahren. Rein in den Förderkorb, den Sauerstoff-Selbstretter griffbereit, den Helm auf dem Kopf, und dann rattert man mit zwölf Metern pro Sekunde den Schacht Heimboldshausen-Ransbach, kurz HeRa, hinab. Glückauf, der Gruß der Bergleute, hallt einem hier entgegen, an einem staubigen Arbeitsplatz, an dem die Sonne nie scheint. Unten, in 750 Meter Tiefe, besteht alles aus grauweißem Salz-Straßen, Wände und Decken. Und ein Teil davon, das besonders kostbare Kalisalz, ist seit einem Jahrhundert Wohlstandsmotor in diesem Teil der Rhön – auch für die Familie Simmroth.
Bei den Großeltern stehen überall Salzkristalle, sagt Lisa Marie Simmroth und lacht. An den Wänden ihrer Wohnung hängen Bilder von der Grube, Urkunden. Kein Essen, keine Feier, kein Gespräch könne man bei den Simmroths erleben, ohne auf den Bergbau zu kommen, auf seine Geschichten, seine Veränderungen, seine Härten. Schon in dritter Generation dreht sich bei den Simmroths sehr vieles um die Arbeit unter Tage. Gerhard Simmroth, 81 Jahre alt, hat 1959 in der Grube Unterbreizbach seine Ausbildung als Bergmann angefangen, Sohn Mario und Enkelin Lisa Marie sind bis heute im Bergbau. Zusammen werden sie nächstes Jahr auf 100 Jahre geleistete Arbeit kommen.
Als alles begann, fand der damals 15-jährige Gerhard Unterkunft bei einem Landwirt, wo er nach der Schicht noch auf dem Feld weiterarbeitete. So war das eben, sagt er knapp. In der Grube: viel Handarbeit, riesige Bohrmaschinen, dazu der Staub und der Mangel an Sonnenlicht. Am schwersten waren die Muni-Säcke, sagt Simmroth senior, mit Sprengstoff beladene Rucksäcke, die er zu den Bohrlöchern tragen musste. Damit man nach einem riesigen Rumms wieder etwas aus dem Berg rausbohren konnte.
„Ich bin mit Krücken zur Reha – und ohne wieder zurück.“
Gerhard Simmroth Bergmann in Rente
Ein Unfall verändert alles
Als vor 250 Millionen Jahren urzeitliche Meere in der heutigen Mitte Deutschlands verdunsteten, entstand die Salzlagerstätte. Den begehrten Kern, sozusagen die Füllung der Torte, bilden die beiden Schichten aus Kalisalz. Das kaliumreiche Salz holt man seit mehr als 100 Jahren aus dem Berg, verarbeitet es über Tage weiter, meist zu Mineraldünger. Das Werk Werra vom Unternehmen K+S mit Hauptsitz in Kassel stellt knapp die Hälfte der europäischen Kaliprodukte her. Der Standort in der Rhön versorgt rein rechnerisch zehn Prozent der globalen Landwirtschaft mit Dünger. Kali steht aber auch am Beginn von anderen Wertschöpfungsketten, etwa in der Chemie, in der Glasindustrie oder der Pharmaindustrie.
Gerhard Simmroth hat lange geholfen, das Salz aus dem Berg zu holen. In seinem Körper hat das Spuren hinterlassen. Doch am schwersten traf es ihn einmal auf dem Weg zur Arbeit. Er stürzte mit dem Motorrad, Trümmerbruch im Bein. Ein Dreivierteljahr war er nicht bei der Arbeit, lag lange in einer Klinik in Erfurt, bevor es zur Reha nach Altenberg ging. Raupennest hieß das Reha-Zentrum dort, mitten in der Sächsischen Schweiz. „Ich bin mit Krücken zur Reha und ohne wieder zurück“, erinnert sich Gerhard Simmroth. Auch danach suchte er immer wieder Erholung. Rauskommen, Übungen machen, Muskeln und Gelenke stärken, das hilft.
Mit der Knappschaft eher in Rente
Unter Tage wurde er zum Experten für Fahrzeuge. Und blieb das auch, bis er im Rahmen der Knappschaftsausgleichsleistung in den Ruhestand ging. Die greift, wenn Bergleute auf mindestens 25 Grubenjahre kommen und ihr Arbeitsplatz nicht wieder besetzt wird. Dann schließt die Knappschaft fünf Jahre vor der eigentlichen Rente eine mögliche Rentenlücke. Am letzten Tag durfte er sogar seine Familie mit in den Schacht nehmen. Enkelin Lisa Marie, damals noch klein, kam mit ihrem Vater. Mario Simmroth, die zweite Generation, 57 Jahre alt, wollte nie etwas anderes machen, als unter Tage zu arbeiten. 1984 begann er seine Lehre als Facharbeiter für Bergbautechnologie. Ein begehrter Platz damals, gut bezahlt, was aber in der DDR seinen Preis hatte: Simmroth musste sich verpflichten, nach der Ausbildung für drei Jahre zur NVA zu gehen. Als er die Uniform auszog, kam die Wende, und in der Grube Merkers war Schicht im Schacht. Mario Simmroth ging für zehn Jahre in den Straßenbau, als Experte für große Maschinen war er auch da gefragt. 1999 kehrte er aber in den Bergbau zurück, wurde Vorarbeiter, ist heute Instrukteur für Bergbaumaschinen und bringt als Unternehmensbotschafter Bergbau-Themen über Linkedin und andere Kanäle an die Außenwelt.
Die Arbeit sei leichter geworden. „Heute gibt es dafür Maschinen“, sagt er, als sein Vater die Geschichten der Maloche von damals erzählt. Ein Bohrwagen etwa bohrt heute die sieben Meter tiefen Sprenglöcher ins Salz, gesteuert mit einer Fernbedienung. „Aber auch moderne Großmaschinen sind nicht ohne“, sagt Mario Simmroth. Die starken Vibrationen merkt er bis heute in seinem Rücken, die Knie sind lädiert von den zehn Jahren im Straßenbau.
Verschiedene Rehakliniken hat er schon kennengelernt, war über die Knappschaft in Bad Mergentheim im Taubertal genauso wie in Bad Lauterberg im Harz. „Bald steht wieder eine Woche Reha-Nachsorge an. Das hilft mir, die Übungen, aber auch die Herangehensweise wieder im Blick zu haben“, sagt er. Zusätzlich trainiert er über RV Fit, das Präventionsprogramm der Rentenversicherung, regelmäßig seinen Rücken, um weiteren Wehwehchen schon jetzt vorzubeugen.
Lisa Marie Simmroth hat ihre Ausbildung zur Chemikantin bei K+S vor 13 Jahren begonnen. Später machte sie ihren Master in Verfahrenstechnik und reist heute als Spezialistin für Verfahrens- und Aufbereitungstechnik von Kassel aus oft zu den vielen Standorten von K+S. Eine Reha brauchte sie noch nicht, beugt aber über Angebote von RV Fit vor: „Die Kurse und mein Fitnessstudio helfen mir ebenfalls sehr gegen die klassischen Büro-Beschwerden“.
Und sie kennt ihre Renteninformation. Die Verfahrenstechnikerin weiß, dass sie aktuell 13 Rentenpunkte hat und dass auch ihre Studienzeit für die Rente berücksichtigt wird, obwohl sie als Studentin keine Beiträge leistete. „Ich bin ein Sicherheitsmensch, ich habe die Dinge gerne im Blick“, sagt sie, und lacht.
Opa kommt zurück ins Bergwerk
Lisa Marie Simmroth wird 2061 planmäßig in Rente gehen. Etwa so lange soll auch das Werk Werra bestehen bleiben. Um auch die letzten Reste des wertvollen Materials herauszuholen, hat man eine neue Abbaumethode entwickelt. Für den Umbau des Standorts unter dem Namen Werra 2060 investiert K + S Hunderte Millionen Euro – und braucht Bergleute mit viel Erfahrung.
So war das auch 2016, als das Telefon beim Rentner Gerhard Simmroth klingelte. Damals wollte Dieter Bohlen die Grube Merkers als Kulisse für „Deutschland sucht den Superstar“ verwenden. Der Standort war längst zu einem „Erlebnisbergwerk“ geworden. Bohlen hatte da nur ein Problem: „Alf“ stand ihm im Weg. Der größte untertägig eingesetzte Schaufelradbagger der Welt war seit Jahren nicht mehr bewegt worden. Also rief man bei Simmroth an. Der kannte „seinen“ Bagger noch, brachte ihn zum Laufen und fuhr damit 20 Meter zur Seite.
Mit der Reha zurück in den Beruf
Die Rentenversicherung hilft, die passende Rehaklinik zu finden.
Mehr Infos unter: https://meine-rehabilitation.de/pr-web/de
Vorsorge? Besser als Nachsorge!
RV Fit ist ein kostenfreies Trainingsprogramm für Bewegung, Ernährung und Stressbewältigung.
Mehr Infos unter: https://www.rv-fit.de/DE/home
Gesundheitscheck: t1p.de/ueber45-check