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Oh, du schöne Ferienzeit!

Zusammenhalt ist eine heikle Angelegenheit, wenn beim Campen über Grillfleisch gestritten wird. Aber dann kommt ein Hippie daher und alles ist wieder gut.

Eine humorvolle Zeichnung eines hellblauen Autos, das bis unters Dach vollgepackt ist. Auf dem Dachträger türmen sich Koffer, ein Kugelgrill, ein brauner Wanderschuh und Strandutensilien. Aus den Fenstern ragen nackte Füße und ein gelb-weiß gestreiftes Handtuch hervor.
Darum sollten Sie diesen Artikel lesen:

Lesen Sie diese Kolumne für eine humorvolle Auszeit über den Camping-Wahnsinn zwischen Wanderzwang und Pool-Lust. Erfahren Sie, wie ein Hippie am Ende den Familienfrieden rettet!

Text: Ninia LaGrande
Prävention
02/2026

Der Van ist gepackt, der Mann hat die Route festgelegt und Campingplätze reserviert. Das Kind und ich müssen nur einsteigen. Ich habe die Snacks an Bord, los geht’s auf die Autobahn. Angekommen sind wir ein eingespieltes Team. Der Mann manövriert das Fahrzeug auf den Stellplatz. Von wo kommt die Sonne, wie rum wollt ihr schlafen und soll ich die Markise ausfahren? Das Kind erkundet den Spielplatz und ich sitze. Ich sitze herum, ohne Pläne und BH, ungeschminkt. Das ist meine Aufgabe im Urlaub und diese nehme ich sehr ernst. Bis zu diesem Zeitpunkt ist alles harmonisch. Aber dann fängt der Urlaub ja erst an. Am Abend fragt der Mann das erste Mal den ausschlaggebenden Satz: „Welche Strecke wandern wir morgen?“ Das Kind stöhnt und weist auf erpresserische Zahlungsmittel wie Eis, Pommes und Andenken hin.

Ich, älter als alle anderen auf Stellplatz B210, weise auf meine Gelenke und das Stichwort Entspannung im Zusammenhang mit Urlaub hin. Trotzdem stapfen wir am nächsten Morgen, eingecremt und mit Wanderschuhen an den Füßen, dem Mann hinterher. Ich, weil ich ihn liebe, und das Kind, weil es keine Möglichkeiten hat zu entkommen. Nach einigen Tagen und vielen Kilometern, die wir per Fuß oder Rad zurückgelegt haben, deute ich vorsichtig an, dass das so nicht weiter gehen kann. Im absoluten Sinne des Wortes. Ich gehe nicht mehr weiter. Natur, Berge, pipapo, alles so schön, sagt der Mann. Der Pool hier auf dem Platz sei auch wunderschön, entgegne ich. Wunderschön schattig. Da könne ich in Latschen hinschleichen. Und lesen. Einfach nur sein. 

Wandern oder am Pool liegen?

Wir einigen uns darauf, dass man als Familie nicht immer zusammen sein muss. Am nächsten Tag rennt der Mann los, das Kind verschrumpelt im Pool und ich liege daneben. Abends diskutieren wir über die kommenden Tage, während die Nachbarn sich schreiend darüber austauschen, wie lange ein Stück Fleisch auf dem Grill zu liegen hat. „Ich hasse Camping“, stelle ich fest. „Ich hasse Camper“, sagt der Mann. So uneins wir in der Freizeitgestaltung sind, so sehr gleichen wir uns im sozialen Miteinander. Zwei Tage später wollen wir weiterfahren. 

Das eingespielte Team packt das Auto zusammen. Nur das Dachzelt lässt sich nicht einklappen. Der Mann flucht laut. Um die Ecke kommt ein älterer Herr mit freiem Oberkörper, sehr vielen Ketten mit Holzperlen, die auf weißen Brusthaaren liegen, und einer Zigarette im Mundwinkel. Es ist der Typ Mensch, der sicher weiß, wie lange ein Steak auf dem Grill zu liegen hat. „You need help?“, fragt er und verschwindet im gleichen Atemzug, um eine Leiter zu holen. Wenige Minuten später sieht das Dachzelt aus, wie es aussehen soll. „Ich liebe Camping“, sage ich und schüttele dem Hippie die Hand. „Ich liebe Camper“, sagt der Mann, winkt und steuert den nächsten Platz in der wunderschönen Natur an.

Nina LaGrande

Nina LaGrande

Die kleinwüchsige Moderatorin, Autorin und Podcasterin lebt mit Mann und Kind in Hannover. Mit ihrer Arbeit setzt sie sich auch für die Rechte von Menschen mit Behinderungen ein.

Ninia auf Instagram:
@ninialagrande