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Was bedeutet soziale Sicherung?

In der Zukunftswerkstatt „Miteinander reden!“ diskutierten Jugendliche mit Selbstverwalterinnen und Selbstverwaltern über Rente, Gesundheit und Mitbestimmung.

Ein älterer Mann mit Brille und gemustertem Hemd spricht während einer Veranstaltung in ein Mikrofon, das er in der Hand hält.
Darum sollten Sie diesen Artikel lesen:

Erfahren Sie, wie Jugendliche bei der Zukunftswerkstatt 2026 über Rente, Solidarität und den Generationenvertrag diskutierten und dabei erlebten, wie die soziale Selbstverwaltung das Rentensystem aktiv mitgestaltet.

Text: Heiko Fiedler-Rauer / Mirko Heinemann
Rente
03/2026

Rund um einen ausgedienten Gasometer in Berlin-Schöneberg liegt der EUREF-Campus, eine Abkürzung für „Europäisches Energieforum“. Hier wird an der Zukunft der Energiesysteme getüftelt. Start-ups residieren neben renommierten Forschungsinstituten und Unternehmen.

Um das Thema Zukunft ging es auch am 29. Juni 2026 im ehemaligen Wasserturm, einem liebevoll restaurierten Backsteingebäude. An diesem heißen Sommertag fanden sich etwa 100 Schülerinnen und Schüler sowie Selbstverwalterinnen und Selbstverwalter der Deutschen Rentenversicherung Bund und der Ersatzkassen zusammen. Unter dem Motto: „Miteinander reden! Die Zukunftswerkstatt 2026 für Rente & Gesundheit“ diskutierten sie gemeinsam über die Themen Rente, Gesundheit, Solidarität und Mitbestimmung. Die Schülerinnen und Schüler beschäftigte besonders eine Frage: Was bedeutet soziale Sicherung für junge Menschen heute?

In den Wochen vor der Zukunftswerkstatt hatten Selbstverwalterinnen und Selbstverwalter Oberstufenzentren und Berufsschulen besucht, um diese Themen vorzubereiten und die Schülerinnen und Schüler zu eigenen Recherchen anzuregen. „Viele Jugendliche beschäftigen sich intensiver mit gesellschaftlichen Fragen, als man vielleicht vermutet“, sagt Heribert Jöris, Vorsitzender der Vertreterversammlung, nach seinem Schulbesuch. „Entscheidend ist, ihnen die Möglichkeit zu geben, eigene Gedanken und Ideen einzubringen.“

Zwei Schülerinnen des Potsdamer Oberstufenzentrums II erklärten bei der Zukunftswerkstatt die Funktionsweise des deutschen Rentensystems. Sie betonten, die gesetzliche Rentenversicherung sei „mehr als nur Altersrente“. Schon in jungen Jahren unterstützt sie mit Rehabilitationsleistungen nach Krankheit oder Unfall, schützt bei Erwerbsminderung und sichert Familien durch Hinterbliebenenrenten ab. Wer eine Ausbildung beginnt oder jobbt, zahlt oft bereits ein – und erwirbt damit Ansprüche. Sie erklärten, wie das Umlageverfahren in der gesetzlichen Rentenversicherung funktioniert: Wer arbeitet, finanziert mit seinen Beiträgen die Renten der heutigen Rentnergeneration – ein gelebter Generationenvertrag. Zugleich erwerben Beitragszahlende eigene Ansprüche für später. Klar wurde: Die Rentenversicherung ist kein individuelles Sparkonto, sondern ein gemeinschaftliches Sicherungssystem. Die Schülerinnen und Schüler gaben aber auch ihrer Sorge Ausdruck: Ob die Rente angesichts des demografischen Wandels auch in Zukunft sicher sein wird?

Porträt von Doris Barnett mit kurzen grauen Haaren und auffälliger orangefarbener Brille.

Ich bin gespannt, wie die Onlinewahl bei den Sozialwahlen 2029 angenommen wird.“

Doris Barnett, stv. Bundeswahlbeauftragte für die Sozialwahlen

Das Prinzip der sozialen Selbstverwaltung stand dagegen beim Besuch am Oberstufenzentrum für Ästhetik und Technik in Berlin im Mittelpunkt: Ehrenamtliche Vertreterinnen und Vertreter von Versicherten und Arbeitgebern gestalten ihre Renten- und Krankenversicherung aktiv mit. Sie entscheiden über Haushalte, Leistungen und strategische Weichenstellungen – nah an der Lebenswirklichkeit der Menschen.

Rüdiger Herrmann, alternierender Vorsitzender der Vertreterversammlung, fasst seine Eindrücke so zusammen: „Die gesetzliche Rentenversicherung lebt davon, dass die, die Beiträge zahlen oder gezahlt haben, mitbestimmen können. Die Schülerinnen und Schüler waren überrascht, dass soziale Sicherung kein abstraktes System ist, sondern etwas, das sie über die Selbstverwaltung mitgestalten können.“

In ihrem Grußwort betonte Doris Barnett, die stellvertretende Bundeswahlbeauftragte für die Sozialwahlen, wie wichtig die alle sechs Jahre stattfindenden Wahlen der Selbstverwaltungsorgane der Sozialversicherungsträger sind. Ab der nächsten Wahl, 2029, werden sie, zusätzlich zur bewährten Briefwahl, auch als Onlinewahl durchgeführt. „Für uns alle ist das Smartphone heute Lebensrealität“, so Barnett. „Warum sollten wir darüber künftig nicht auch wählen können? Ich bin gespannt, wie die Onlinewahl bei den Sozialwahlen 2029 von den beteiligten Trägern umgesetzt und dann auch von allen Generationen angenommen wird.“

Am Ende dieses Tages ging es darum, Jugendliche für sozialpolitische Themen zu sensibilisieren und sie zu ermutigen, eigene Perspektiven in gesellschaftliche Debatten einzubringen. Es ging darum, zuzuhören und gemeinsam Antworten auf Zukunftsfragen zu finden. Oder, wie es das Motto besagt: Es ging darum, miteinander zu reden.

Mehr dazu unter:

https://www.sozialwahl.de/

Umlageverfahren

Die gesetzliche Rentenversicherung wird hauptsächlich im Umlageverfahren finanziert. Wer arbeitet, zahlt mit seinen Beiträgen die Renten der heutigen Rentnerinnen und Rentner. Dieses Solidarprinzip wird als Generationenvertrag bezeichnet: Jede Generation übernimmt Verantwortung und kann darauf vertrauen, später selbst abgesichert zu sein.