Wo Kinder den Kopf freikriegen
In der Fachklinik Satteldüne auf Amrum finden Kinder und Jugendliche Hilfe bei psychosomatischen Erkrankungen.
Dieser Artikel lohnt sich, weil er anschaulich zeigt, wie die Fachklinik Satteldüne auf Amrum Kindern und Jugendlichen bei komplexen psychosomatischen Erkrankungen hilft. Zudem verdeutlicht er, wie wichtig ein ganzheitlicher Ansatz und der Austausch über Reha-Erfolge für eine erfolgreiche Nachsorge sind.
Das Besondere an der Rehaklinik Satteldüne ist bereits der Weg dorthin: erst mit dem ICE, dann mit dem IC, anschließend mit der Regionalbahn nach Dagebüll an der Nordseeküste und von dort aus noch zwei Stunden mit der Fähre über Föhr nach Amrum. „Allein die Anreise bedeutet schon eine Entschleunigung“, erklärt Dr. Christian Falkenberg, Ärztlicher Direktor der Fachklinik Satteldüne für Kinder und Jugendliche, einer Reha-Einrichtung der Deutschen Rentenversicherung. Amrum selbst hat mehr Dünen als Einwohner und bietet jede Menge Ruhe und Entspannung, um den stressigen Alltag hinter sich zu lassen. „Genau das brauchen wir heutzutage“, sagt Dr. Falkenberg. „Wir beobachten heute häufiger Kinder und Jugendliche mit psychischen und psychosomatischen Erkrankungen. Dazu gehören insbesondere Angststörungen, funktionelle oder psychosomatische Körperbeschwerden sowie gesundheitliche Probleme im Zusammenhang mit Ernährungsstörungen und Bewegungsmangel, wie zum Beispiel Adipositas.“
Die Rehaklinik Satteldüne ist auf solch komplexe Krankheitsbilder gut vorbereitet. Traditionell ist die Einrichtung auf Atemwegserkrankungen spezialisiert. In den letzten zehn Jahren hat sie ihre Expertise auf Psychosomatik und Sprachentwicklungsstörungen erweitert. Denn aus seiner 20-jährigen Erfahrung als Kinder- und Jugendmediziner weiß Dr. Falkenberg, dass eine Hauptdiagnose selten allein kommt. „Genau das macht die Arbeit hier bei uns aus“, sagt er. „Wir haben mit unserem hochspezialisierten Team die Möglichkeit, alle individuellen Bedarfe eines Kindes zu behandeln.“
In der Fachklinik Satteldüne werden das Gesamtbild betrachtet, Diagnosen überprüft und im Zweifel auch neue gestellt. Dr. Falkenberg fällt dazu das Beispiel einer Jugendlichen ein, die wegen Asthma nach Amrum gekommen ist. Tatsächlich aber leidet sie unter einer psychosomatischen funktionellen Atemstörung, das heißt, sie steigert sich in eine Luftnot hinein. Deswegen hätten ihr auch die Asthma-Medikamente nicht geholfen. Sie wird außerdem in der Schule gemobbt, igelt sich ein, kämpft mit Übergewicht und einem negativen Körperbild sowie sozialen Ängsten – eine sehr komplexe psychosomatische Störung. „Wir haben ihr Atemtechniken beigebracht, die ihr bei Luftnot – die ja real da ist – helfen, die Stimmlippen zu entkrampfen.“
„In vier bis sechs Wochen kann man viel Positives erreichen.“
Dr. Christian Falkenberg Ärztlicher Direktor der Fachklinik Satteldüne für Kinder und Jugendliche auf Amrum
Austausch über Reha-Erfolge
In der Reha haben die Mediziner Gelegenheit, die Kinder und Jugendlichen über einen längeren Zeitraum zu beobachten, und können sich so ein ganz anderes Bild machen als Kollegen, die ihre jungen Patienten nur zu einem Untersuchungs- oder Behandlungstermin sehen. Auch deshalb ist es dem Klinikdirektor und seinem Team so wichtig, zu den behandelnden Ärzten und Therapeuten Kontakt aufzunehmen und sich über die Reha-Erfolge auszutauschen. „Auf diese Weise können wir auch eine optimale Nachsorge in Gang setzen“, erklärt Dr. Falkenberg. „Wunder vollbringen könne man zwar nicht. Doch in vier bis sechs Wochen kann man schon sehr viel Positives erreichen.“
Mehr Infos zu Kinderreha: kinderreha.drv.info
Mehr Infos zur Klinik:www.sattelduene.de