Mitbestimmen – zum Wohle aller
Der ehemalige Postbote Dieter Hillebrand ist nicht nur Gewerkschaftler. Er engagiert sich auch seit 21 Jahren in der sozialen Selbstverwaltung. Mitsprache ist ihm wichtig. Und er diskutiert sehr gern.
Dieser Artikel zeigt am Beispiel von Dieter Hillebrand, wie wichtig die ehrenamtliche Arbeit in der sozialen Selbstverwaltung ist und wie Versicherte dort aktiv bei der Deutschen Rentenversicherung mitbestimmen können.
Ich habe schon in jungen Jahren den Wert einer Reha zu schätzen gelernt. Ursprünglich komme ich aus dem Handwerk, aber schon mit Anfang 20 habe ich erst als Postbote und dann als Paketbote gearbeitet. Als junger Mann machte mir das Schleppen nichts aus. Doch schon zehn Jahre später hatte ich die ersten Bandscheibenvorfälle. Ohne eine Rehabilitation wäre das Arbeiten schwierig geworden.
Deshalb habe ich auch bei meiner Arbeit in der Selbstverwaltung der Rentenversicherung ein besonderes Augenmerk auf die Reha-Einrichtungen. Die Menschen, die in einer Rehaklinik ankommen, müssen sich dort direkt wohlfühlen. Das ist das A und O. Unser Träger hat fünf eigene Reha-Einrichtungen, die wir auch regelmäßig besuchen und dabei bis hin zu einer freundlichen Farbgestaltung alles mit den Verantwortlichen vor Ort diskutieren, was für die Versicherten wichtig ist.
Ich bin bereits seit 21 Jahren in der Selbstverwaltung, zuerst im Gesundheitsbereich und ab 2011 bei der Deutschen Rentenversicherung. Die Selbstverwaltung besteht zu gleichen Teilen aus Versicherten- und Arbeitgebervertretern. Als Gewerkschafter gehörte es schon in den 1990er-Jahren zu meinen Aufgaben, Menschen aus unseren Reihen als Versichertenvertreter für die Sozialwahlen aufzustellen. Ich habe nach einiger Zeit gemerkt, dass ich selbst mitwirken wollte, und bewarb mich um das Ehrenamt.
Mein Interesse am Thema soziale Sicherheit und Rente wurde an der Sozialakademie Dortmund geweckt, wo ich ab 1992 studierte. Ich war sehr von Professor Gerhard Bäcker beeindruckt, einem Sozialwissenschaftler mit dem Schwerpunkt Sozialpolitik und Sozialstaat. Mich hat das Thema nie ganz losgelassen. Später habe ich als hauptamtlicher Gewerkschafter selbst Vorträge zur sozialen Sicherheit gehalten: Wie baut sich beispielsweise die eigene Rente auf?
„Menschen, die in eine Rehaklinik kommen, müssen sich direkt wohlfühlen.“
Dieter Hillebrand (65) Vorstandsvorsitzender der Deutschen Rentenversicherung Rheinland und Mitglied der Bundesvertreterversammlung der Deutschen Rentenversicherung Bund
Mitsprache als Teil der Demokratie
Doch nicht nur deshalb bin ich gerne in der Selbstverwaltung aktiv und seit zwei Jahren auch alternierender Vorstandsvorsitzender der Deutschen Rentenversicherung Rheinland. Die Sozialwahlen sind wie die Betriebsratswahlen Teil unseres demokratischen Systems. Und wir regeln als Vertreter der Versicherten und Beitragszahler in den Selbstverwaltungsorganen unsere Belange selbst. Wir haben in der Selbstverwaltung Mitspracherechte für Dinge, die uns direkt betreffen. Gleichzeitig bin ich auch Mitglied der Bundesvertreterversammlung. Dort bewillige ich mit den weiteren 59 Mitgliedern dieses Gremiums Haushaltsmittel für die Forschung, zum Beispiel für wissenschaftliche Untersuchungen zur weiteren Verbesserung von Rehabilitationsleistungen. Wir arbeiten in einer Sozialpartnerschaft: Am Ende kommen wir immer auf einen gemeinsamen Nenner.
Ich bin Jahrgang 1961 und seit Kurzem selbst in Rente, doch ich gehe immer noch gern zu den Terminen. Bis zu den nächsten Sozialwahlen 2029 möchte ich dabeibleiben, denn soziale Themen sind mir wichtig und mein Engagement in der Selbstverwaltung gibt mir sehr viel. Andere haben im Sportverein Freude, ich in den Gremien. Ich bin eben ein Mensch, der gerne diskutiert – zum Wohle aller Generationen.