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„Gesellschaft beruht auf dem Gedanken von Fairness“

Die CMS Stiftung fördert Projekte, die Menschen zu ihrem Recht verhelfen. Denn nur wer Vertrauen in das Rechtssystem hat, vertraut auch der Gemeinschaft.

Porträt von Hilke Herchen vor blauem Hintergrund. Die lächelnde Juristin trägt einen dunklen Blazer über einer weißen Bluse und unterstreicht ihre Worte mit einer lebendigen Handgeste.
Darum sollten Sie diesen Artikel lesen:

Lesen Sie dieses Interview, um zu erfahren, warum ein fairer Zugang zum Recht das Fundament unserer Gemeinschaft ist. Entdecken Sie, wie die CMS Stiftung benachteiligten Menschen – von Straßenkindern bis zu Alleinerziehenden – hilft, ihre Rechte wahrzunehmen und so den gesellschaftlichen Zusammenhalt stärkt.

Interview: Silke Mertins
Prävention
02/2026

Frau Herchen, Sie gehören zu den Mitbegründern der CMS Stiftung. Was hat Ihre Wirtschaftskanzlei dazu bewogen, jedes Jahr einen Teil ihres Gewinnes dort einzuzahlen? 

Hilke Herchen: Als Organ der Rechtspflege haben wir eine soziale Verantwortung, die wir in unserem Alltag als Wirtschaftskanzlei kaum wahrnehmen können. Wir haben zunächst einzelne Organisationen unterstützt, aber dann vor über zehn Jahren entschieden, dass wir die Förderung in einer Stiftung bündeln. Wir haben im rechtlichen Bereich einen Bedarf gesehen, der anders nicht gedeckt wird, sodass wir auch als kleine Stiftung wirklich einen Unterschied machen können.

Stefanie Wismeth: Genau, wir haben gesehen, dass gerade Menschen in schwierigen sozialen und wirtschaftlichen Situationen, Menschen mit Behinderungen, Geflüchtete oder Betroffene von Gewalt oft vor größeren rechtlichen Hürden stehen. Das ist nicht gerecht – alle sollen sich auf unser Rechtssystem verlassen können. Das beginnt schon damit, dass man die eigenen Rechte kennt und versteht oder weiß, wo man rechtliche Unterstützung findet. Genau hier setzt die Stiftung an.

Zur Stiftung

Die Wirtschaftskanzlei CMS hat die CMS Stiftung im Jahr 2015 gegründet. Sie wird durch einen Teil des Jahresgewinns der Kanzlei finanziert. Die Stiftung selbst bietet keine Rechtsberatung. Sie fördert Projekte und Organisationen, die dies tun oder langfristige Verbesserungen schaffen.

Sie wollen mit Ihrer Stiftung mehr Menschen Zugang zum Recht verschaffen. Wieso ist das in einem Rechtsstaat überhaupt nötig? 

Herchen: Natürlich kann sich jeder von sich aus an die Gerichte wenden. Aber man kennt es von Gerichten und auch von Behörden, dass manchen Menschen der Zugang schwerfällt – sei es, weil es mit Schwierigkeiten und Scham belegt ist, sie sich in einer Drucksituation befinden, etwa bei häuslicher Gewalt, oder auch aus sprachlichen Gründen. Wer aus einem anderen Kulturkreis kommt, kennt oft gar nicht die Möglichkeiten in einem Rechtsstaat.

Porträt von Stefanie Wismeth vor blauem Hintergrund. Sie trägt eine beige Lederjacke über einer dunklen Bluse und blickt mit erklärender Handgeste freundlich zur Seite.

„Wenn das Vertrauen in den Rechtsstaat wächst, dann sinkt letztlich auch das Konfliktpotenzial.“

Stefanie Wismeth

„Zugang zum Recht für alle“ ist Ihr Motto. Mal umgekehrt gefragt: Was passiert denn mit einer Gesellschaft, in der das nicht gegeben ist? 

Herchen: Wenn ein funktionierender Rechtsstaat nicht existiert, kann im schlimmsten Fall ein Zustand von Selbstjustiz eintreten. Das ist natürlich das Extrem. Aber letztlich liegt die Justiz- und Vollzugshoheit deshalb beim Staat, damit wir nicht aufeinander losgehen. Eine Gesellschaft beruht auf dem Gedanken von Fairness und gegenseitigem Vertrauen. Ich kann mich dann zugehörig fühlen, wenn ich das Gefühl habe, in dieser Gemeinschaft gut aufgehoben zu sein. Ich kann Vertrauen in die Regeln der Gesellschaft haben und bin nicht der Dumme, wenn ich sie einhalte. 

Wismeth: Zugang zum Recht ist eben nicht nur juristische Beratung. Es hält die Gesellschaft zusammen, wenn man das Gefühl hat, die Regeln gelten für alle. Wenn das Vertrauen in einen fairen Rechtsstaat wächst, dann sinkt letztlich auch das Konfliktpotenzial. Wer darauf vertraut, dass Unrecht gehört und fair entschieden wird, ist eher bereit, auch mal andere Perspektiven anzuerkennen.

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Law Clinics existieren bundesweit. Jura-Studierende helfen Bedürftigen und sammeln dabei praktische Erfahrungen.

Geht es dabei also um gesellschaftlichen Frieden? 

Herchen: Man muss Chancengleichheit in allen Bereichen einer Gesellschaft herstellen, damit jeder Einzelne sieht: Ich habe hier einen Platz. Deswegen versuchen wir unsere Förderung als Stiftung auch so breit wie möglich zu streuen, sodass wirklich viele unterschiedlich benachteiligte Gruppen Unterstützung finden.

Das Thema digitale Gewalt – teilweise auch mit Hilfe von Künstlicher Intelligenz – beschäftigt viele Menschen. Die Hilflosigkeit im Umgang mit ihr geht bis in prominente Kreise. Ist das ein Thema für Ihre Stiftung? 

Herchen: Das ist in der Tat ein riesiges Thema, zumal wegen der Anonymität im Netz die Rechtsdurchsetzung so viel schwieriger ist. Und es hat ja wegen der unfassbar schnellen Verbreitung auch viel gravierendere Auswirkungen als in der realen Welt. Wir haben gerade ein zusätzliches Projekt mit dem Kinderschutzbund in die Förderung aufgenommen. 

Wismeth: Digitale Gewalt ist die modernste Form von Gewalt und betrifft besonders häufig Frauen sowie Kinder und Jugendliche. Junge Menschen nutzen früh und intensiv soziale Medien und sehen oft gar nicht, wie sie sich selbst in Gefahr bringen, wenn sie etwas im Netz einstellen, was mit Künstlicher Intelligenz verändert werden kann. Aber sie können im Netz auch selbst Grenzen überschreiten, häufig ohne sich der Folgen bewusst zu sein. 

Herchen: Das Tolle an diesem Projekt des Kinderschutzbundes ist, dass sie beides machen. Sie sind rechtliche Beratungsstelle und sie gehen in die Schulen und klären auf. Denn es ist wichtig, dass man Jugendliche auch pädagogisch begleitet.

Eine Mitarbeiterin des Vereins „Straßenkinder e. V.“ in einem grauen Kapuzenpullover sitzt an einem Tisch vor einem Laptop und berät eine junge Frau in einem blauen Oberteil. Beide befinden sich in einem Gespräch und blicken auf den Bildschirm.

Gibt es Erfolge in Ihrer Arbeit, die Sie besonders antreiben? 

Wismeth: Ich glaube, dass wir bei der Entwicklung von „Law Clinics“ in Deutschland schon einen guten Beitrag geleistet haben. Wir fördern zum Beispiel die Qualifizierungen der Studierenden, das Anmieten von Räumen für die Beratung oder die Vernetzung. Wenn man sieht, wie aktiv und engagiert diese ehrenamtlichen Beraterteams sind, dann kann man nur den Hut ziehen. 

Herchen: Mich motiviert, wenn besonders schutzlosen Menschen geholfen werden kann. Das Projekt Straßenkinder e. V. in Berlin ist so ein Beispiel. Dort haben wir finanziell eine regelmäßige, kostenlose und niedrigschwellige Anwaltssprechstunde ermöglicht. Selbst wenn man nur fünf Kinder aus diesem Elend herausholen kann, hat es sich meiner Ansicht nach schon gelohnt.

Was bewirkt diese Anwaltssprechstunde denn genau? 

Herchen: Eine der vielen persönlichen Geschichten, die wir übermittelt bekommen haben, war die eines 17-Jährigen, der seine schwierige elterliche Umgebung in Süddeutschland verlassen hatte und seit sechs Monaten in Berlin auf der Straße lebte, mit mehreren Problemen und Gerichtsterminen aufgrund seines Alkoholkonsums. Bei Straßenkinder e. V. suchte er Hilfe. Mit Unterstützung, insbesondere durch anwaltliche Beratung, konnte er seine rechtliche Lage klären und neue Perspektiven entwickeln. Schritt für Schritt hat er sein Leben stabilisiert und sich vom Alkohol abgewandt. Auf diese Weise konnte er nun sogar eine Ausbildung beginnen.

Beispiele

Juristische Hilfe wirkt

Stiftung Alltagsheld:innen 

Die CMS Stiftung stärkt den Zugang zum Recht für benachteiligte Gruppen wie zum Beispiel Alleinerziehende. Zeitmangel, finanzielle Belastungen und Probleme sowie komplexe Rechtsfragen führen oft dazu, dass Ansprüche ungeklärt bleiben. Eine Rechtshotline bietet kostenlose Erstberatungen im Familienrecht an.

www.hotline-familien recht.de

Law Clinics

Ein weiterer Baustein sind „Law Clinics“, in denen Jura-Studierende unter Anleitung erfahrener Juristen kostenlose Rechtsberatung anbieten. Sie richten sich an Menschen mit geringem Einkommen. Die Stiftung unterstützt Ausbildung und Organisation dieser Initiativen bundesweit.

t1p.de/law-clinics

Suse – Gewaltschutz in Einrichtungen 

Zudem fördert die CMS Stiftung das Projekt „Suse“, das den Schutz von Frauen mit Behinderungen stärkt. Gemeinsam mit Partnern werden verbindliche Gewaltschutzstandards für Einrichtungen für Menschen mit Behinderungen entwickelt. Ziel ist es, strukturelle Barrieren und einen besseren Zugang zu Unterstützung zu ermöglichen.