Hey Rente, die Boomer kommen!
Die Babyboomer-Generation geht in Rente. Ist das ein Anlass zur Sorge? Nicht wirklich, denn das Rentensystem hat schon viele Herausforderungen bewältigt.
Dieser Artikel lohnt sich, weil er beruhigend aufklärt und zeigt, dass das Rentensystem auch den bevorstehenden Renteneintritt der Babyboomer-Generation gut bewältigen kann.
Die hohe Arbeitslosigkeit in den 1980er-Jahren, die Wiedervereinigung 1990 oder die Finanzkrise im Jahr 2008: Die gesetzliche Rentenversicherung hat schon viele Herausforderungen gemeistert. Häufig wurde ihr schon der Untergang vorausgesagt. „Und hier stehen wir nun, im Jahr 2026, mit einem niedrigeren Beitragssatz als vor 40 Jahren“, sagt Anne Langelüddeke, Leiterin des Dezernats Entwicklungsfragen der Sozialen Sicherheit und Altersvorsorge bei der Deutschen Rentenversicherung.
Aktuell gehen die „Babyboomer“ in den Ruhestand, die geburtenstarken Jahrgänge zwischen 1955 bis 1964. Wie das Statistische Bundesamt auf Basis des Mikrozensus 2025 errechnet hat, werden bis 2040 rund 13,3 Millionen Erwerbspersonen das gesetzliche Renteneintrittsalter von 67 Jahren überschritten haben. Das entspricht 30 Prozent aller Erwerbspersonen. Erneut wird von vielen in Politik und Gesellschaft befürchtet, die gesetzliche Rente könnte eine solche Last nicht tragen.
„Das Rentensystem ist erstaunlich stabil.“
Andreas Hoffmann Volkswirt und Wirtschaftsjournalist
Reformen ja, Alarmismus nein
Der Volkswirt und Wirtschaftsjournalist Andreas Hoffmann spannt in seinem Buch „Die erfundene Bedrohung“ einen weiten Bogen: Seit Generationen warnten Bevölkerungsforscher vor einem „Land der Faltigen und Weißhaarigen“ und prophezeiten den Zusammenbruch der Rentenkasse, schreibt Hoffmann: „Die Katastrophe aber will und wird nicht eintreten.“
Ähnlich sehen es auch andere Fachleute. „Für demografischen Alarmismus besteht kein Anlass“, beschwichtigt etwa Maximilian Waclawczyk, politischer Sekretär und Sozialstaats-Experte des IG-Metall-Vorstands. „Vor allem haben sich die Annahmen hinsichtlich Geburtenraten, Lebenserwartung und Zuwanderung verändert, was dazu führt, dass der Anteil der Menschen im Rentenalter weniger ansteigt als erwartet.“
Gleichzeitig bemüht sich die Bundesregierung, die Zahl derer, die arbeiten und in die Rentenversicherung einzahlen, zu erhöhen. Nach den Vorschlägen der Alterssicherungskommission sollen künftig auch Selbstständige und Abgeordnete in die gesetzliche Rentenversicherung einbezogen werden. Daneben gäbe es zum Beispiel bei den Frauen noch Potenzial, erläutert Langelüddeke, ebenso wie bei Zuwanderern und älteren Arbeitnehmern, die länger arbeiten wollen. Eine hohe Erwerbsbeteiligung sowie Reformen helfen, die demografischen Herausforderungen auch im kommenden Jahrzehnt zu bewältigen.