Wenn Körper und Psyche Hilfe brauchen
Eine verhaltensmedizinisch orientierte Rehabilitation (VOR) wirkt ganzheitlich.
Der Artikel lohnt sich, weil er verständlich erklärt, wie körperliche und psychische Belastungen zusammenhängen und welche Unterstützung eine moderne Reha bieten kann.
Eine körperliche Erkrankung ist eine Herausforderung. Sie sorgt für Schmerzen, schränkt die Bewegung ein und hat mitunter langwierige Behandlungen zur Folge. Aber auch darüber hinaus verändert sich das Leben häufig drastisch: Ängste, Erschöpfung, Antriebslosigkeit, Schlafstörungen oder Probleme am Arbeitsplatz treten auf. Und das nicht nur in Einzelfällen: Nach Zahlen der Deutschen Rentenversicherung hat jeder Fünfte in der Rehabilitation mit psychischen Problemen zu kämpfen, die häufigsten Diagnosen sind depressive Störungen und Angststörungen.
Die Deutsche Rentenversicherung hat für diese Fälle ein spezifisches Programm entwickelt: die verhaltensmedizinisch orientierte Rehabilitation, abgekürzt VOR. Diese hat zum Ziel, neben den körperlichen auch persönliche und berufliche Faktoren zu berücksichtigen, die zur Entstehung oder Aufrechterhaltung der Erkrankung beitragen. Nicht geeignet ist eine VOR hingegen für Patientinnen und Patienten, bei denen eine psychische Störung im Vordergrund steht. Sie sollten eine psychosomatische Rehabilitation in Anspruch nehmen.
Angebot der Rentenversicherung
Die Deutsche Rentenversicherung Hessen bietet die VOR in ihren eigenen Rehakliniken Kurhessen in Bad Sooden-Allendorf im Bereich Orthopädie und Sonnenblick in Marburg in der Orthopädie und Onkologie an.
Die verhaltensmedizinisch orientierte Rehabilitation dauert in der Regel vier Wochen. Sie findet stationär oder ganztägig ambulant in einer Rehaklinik statt. Das Besondere an der VOR: Einen Großteil des Programms absolvieren die Rehabilitierenden mit den gleichen Patientinnen und Patienten – ihrer sogenannten Bezugsgruppe, die aus zehn bis zwölf Personen besteht. Auf dem Therapieplan stehen beispielsweise Gruppengespräche, Entspannungstherapie, Ergotherapie, Bewegungstherapie oder auch Einzelgespräche. Auch Musik- und Kunsttherapie oder Angebote zu Schlafstörungen oder Rauchentwöhnung können ein Teil sein.
Eine VOR beantragen
Wer sich für eine VOR interessiert, kann auf dem Portal www.meine-rehabilitation.de nach Kliniken mit VOR-Angebot filtern und dann im Reha-Antrag eine Klinik mit diesem Angebot als Wunschklinik angeben. Bei der Deutschen Rentenversicherung Hessen sind das die Klinik Sonnenblick in Marburg und die Klinik Kurhessen in Bad Sooden-Allendorf: www.klinik-sonnenblick.de, www.klinik-kurhessen.de.
„Sehr positives Feedback“
Interview mit Prof. Dr. Ulf Seifart, Ärztlicher Direktor der Klinik Sonnenblick, und Dr. Heiko Roßband, Ärztlicher Direktor der Klinik Kurhessen, über die Erfolge der verhaltensmedizinisch orientierten Rehabilitation (VOR).
Wem empfehlen Sie eine VOR?
Prof. Dr. Ulf Seifart: In unserer Klinik bieten wir die VOR sowohl in der Onkologie – aktuell als einzige Klinik in Deutschland – als auch in der Orthopädie an. Unser VOR-Programm richtet sich in der Orthopädie insbesondere an Personen, die schon lange unter einer Erkrankung und Schmerzen leiden. Je länger eine Krankheit andauert, umso psychisch belastender ist sie häufig. Bei onkologischen Erkrankungen müssen sich Betroffene zudem häufig mit belastenden Themen wie dem Sterben auseinandersetzen. In genau diesen Fällen hilft eine VOR, weil sie über die normale psychologische Betreuung im Rahmen einer Reha hinausgeht.
Wie sind die bisherigen Erfahrungen der Rehabilitandinnen und Rehabilitanden?
Die VOR zeigt große Erfolge. Depression und Schmerzempfinden werden nachweislich abgebaut. Teilweise kommen die Rehabilitierenden schon mit dem Ziel zu uns, eine VOR zu absolvieren, anderen empfehlen wir sie nach den Erstgesprächen. Bei Letzteren gibt es manchmal Berührungsängste. Am Ende bekamen wir bislang von allen Seiten sehr positives Feedback.
Wie sieht ein Tag in der verhaltensmedizinisch orientierten Rehabilitation (VOR) aus?
Dr. Heiko Roßband: Das VOR-Konzept entspricht in der Orthopädie einer Mischung aus klassisch orthopädischen Angeboten auf der einen und psychoedukativen Angeboten auf der anderen Seite. In der Praxis stehen für die Patientinnen und Patienten Bewegungsund Trainingstherapie als Aktivtherapie auf dem Behandlungsplan sowie psychologische Seminare und Gespräche, insbesondere zu den zentralen Themen Stress und Schmerzbewältigung. Dazwischen liegen passiv regenerative Behandlungselemente zur Entspannung und gerne auch ein wenig „Wellness“.
Welche Vorteile ergeben sich für Rehabilitierende durch die feste Bezugsgruppe in der VOR?
Bezugsgruppen bilden einen geschützten Rahmen, der den Austausch über ähnliche Themenbereiche erleichtert. Die Teilnehmenden lernen voneinander und unterstützen sich gegenseitig in der Reflexion ihrer individuellen Probleme. Das Miteinander erleichtert einen Perspektivwechsel und darüber das Erarbeiten und Lösen aktueller Konflikte.
Informationen
Wesentliche Merkmale der VOR:
1 Gleichzeitige Berücksichtigung körperlicher, psychischer und sozialer Faktoren.
2 Behandlung in einer festen Bezugsgruppe.
3 Enge Zusammenarbeit verschiedener fachmedizinischer Berufsgruppen.
4 Vermittlung von Wissen und Stärkung der Selbstwirksamkeit.