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Finanzbildung in die Schulen tragen

Junge Leute wollen Aktien, Zinsen und Versicherungen verstehen. Doch wo bleiben die Lehrpläne, und wo die Lehrkräfte, die solches Wissen vermitteln können?

Ein Klassenzimmer mit Schülern
Darum sollten Sie diesen Artikel lesen:

Erfahren Sie hier, warum Finanzbildung für junge Menschen wichtig ist und wie mehr Wissen über Geld, Investments und Altersvorsorge zu besseren finanziellen Entscheidungen beitragen kann.

Text: Carmela Aprea
Altersvorsorge
03/2026

Wir reden gern über Bildung. Über Digitalisierung, Mathekompetenzen, Pisa-Ergebnisse. Über Geld sprechen wir erstaunlich selten – erst recht nicht in der Schule. Dabei prägen finanzielle Entscheidungen unsere Zukunft massiv. Ich beschäftige mich seit vielen Jahren intensiv damit, wie wir junge Menschen auf diese zentrale Zukunftskompetenz vorbereiten können. Die Ergebnisse aktueller Untersuchungen wie der MetallRente Jugendstudie 2025 bestätigen: Fast die Hälfte der 17- bis 27-Jährigen kennt sich in finanziellen Dingen wenig oder gar nicht aus, beim Thema Altersvorsorge sind es sogar mehr als zwei Drittel. Grundlegende Fragen zu Zinsen, Risiko oder zur Funktionsweise des Altersvorsorgesystems können nur wenige richtig beantworten. Gleichzeitig wünschen sich 87 Prozent, dass Finanzthemen systematisch in der Schule behandelt werden.

Das Problem ist also nicht fehlendes Interesse, sondern fehlendes Wissen. Junge Menschen wollen verstehen, wie Zinsen wirken, welche Chancen und Risiken Investments bergen oder wie Altersvorsorge funktioniert. Ohne diese Basis treffen sie Entscheidungen im Blindflug – mit Folgen für ihr eigenes Leben, aber auch für die Gesellschaft. Denn wer nichts weiß, muss alles glauben und verliert das Vertrauen in politische und wirtschaftliche Institutionen

Andere Länder machen es vor

Die naheliegende Antwort lautet oft: Finanzbildung einfach in die Schulen bringen. Aber so einfach ist es nicht. Gute Finanzbildung braucht durchdachte Lehrpläne, die wirtschaftliche Zusammenhänge systematisch abdecken, ohne einseitige Interessen zu transportieren, Lehrkräfte, die sich in diesen Themen sicher fühlen und dafür entsprechend aus- und fortgebildet werden, sowie hochwertige, unabhängige Unterrichtsmaterialien. Entscheidend ist zudem eine koordinierte Strategie zwischen Politik, Wissenschaft und Praxis. Ein Blick ins Ausland zeigt, dass es funktionieren kann: Länder wie Italien, Österreich und die Schweiz haben Finanzbildung längst fest im Unterricht verankert – Deutschland diskutiert noch, ob sie überhaupt ins Klassenzimmer gehört.

Wenn wir Finanzbildung ernst meinen, reicht es nicht, das Thema politisch zu bejahen. Vielmehr müssen wir die notwendigen Voraussetzungen schaffen, damit sie gelingen kann. Die jungen Menschen selbst sind längst weiter. Es wäre klug, ihnen zuzuhören – und dafür zu sorgen, dass Finanzbildung in der Schule nicht nur stattfindet, sondern wirklich einen spürbaren Unterschied macht. 

Rentenblicker, eine Initiative der Rentenversicherung, zeigt jungen Leuten seit 20 Jahren, wie die Rente funktioniert. Sie bietet Unterrichtsmaterialien und einen kostenfreien Referentenservice für Schulen. www.rentenblicker.de

Prof. Dr. Carmela Aprea...

…ist Inhaberin des Lehrstuhls für Wirtschaftspädagogik – Design und Evaluation instruktionaler Systeme an der Universität Mannheim. Sie ist Gründungsdirektorin des Mannheim Institute for Financial Education (MIFE) und eine der Herausgeberinnen der MetallRente-Studie 2025 „Jugend, Vorsorge, Finanzen“.