Niemand muss einsam sein
Die gravierenden Folgen von Einsamkeit wurden lange unterschätzt. Doch inzwischen gibt es zahlreiche Programme, die aus der Isolation helfen.
In wenigen Minuten erfahren Sie, welche gesundheitlichen Risiken Einsamkeit birgt und welche praktischen, niedrigschwelligen Angebote (z. B. Lauftreffs, Kompetenznetz Einsamkeit) Betroffenen helfen können. Der Beitrag liefert konkrete Anlaufstellen, politische Initiativen und hilfreiche Links, damit Sie Unterstützung finden oder selbst aktiv werden können.
Einsamkeit kann Menschen in jedem Alter treffen. Häufig liegen ihr individuelle Schicksale und einschneidende Lebensereignisse zugrunde: der Tod von Angehörigen oder Freunden, Trennungen, Umzüge oder der Verlust des Arbeitsplatzes. Manchmal sind es jedoch auch gesamtgesellschaftliche Entwicklungen wie die Coronapandemie, die viele Menschen in die Isolation gedrängt haben.
„Eine starke Gesellschaft baut Brücken – gerade zu jenen, die einsam sind.“
Gundula Roßbach, Präsidentin der Deutschen Rentenversicherung Bund
„Einsamkeit gehört zum menschlichen Leben dazu“, sagt der Einsamkeitsforscher Martin Gibson-Kunze vom Kompetenznetz Einsamkeit des Instituts für Sozialarbeit und Sozialpädagogik in Frankfurt am Main. Aufpassen müsse man dann, wenn die Einsamkeit anhalte und eine Diskrepanz zwischen den gewünschten und den tatsächlichen sozialen Beziehungen bestehe: „Wenn sich die Einsamkeit verfestigt und Betroffene keinen Ausweg mehr sehen, ist es Zeit zu handeln“, so Gibson-Kunze. Denn die Folgen des ungewollten Alleinseins sind gravierend. Studien zeigen, dass einsame Menschen öfter krank werden und früher sterben. Einsamkeit gilt als Risikofaktor für Depressionen und Angststörungen sowie für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Demenz.
Lauf gegen Depressionen
„Ich fand Laufen immer schon unschlagbar, um Stress abzubauen. Aber während der letzten Jahre in der Gruppe habe ich auch gemerkt, wie sehr es helfen kann, Stimmungstiefs zu überwinden“, sagt eine Teilnehmerin des Lauftreffs gegen Depression in München. In diesen Gruppen, die sich in vielen deutschen Städten gegründet haben, werden nicht nur Infos und Trainingstipps vermittelt. „Die Mitglieder bauen sich auch gegenseitig auf, wenn es jemandem schlecht geht“, sagt Birgit Giller vom Münchner Bündnis gegen Depression. Denn ein nachweisliches Mittel gegen Depressionen und Einsamkeit ist Bewegung. Beim Lauftreff in München sind regelmäßig rund 20 Personen dabei, die auch außerhalb des Trainings miteinander und mit dem Trainingsteam verbunden sind.
Mehr Informationen:
t1p.de/Depressionshilfe meine-rehabilitation.de t1p.de/Psy-RENA
Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend fördert seit 2021 das Projekt Kompetenznetz Einsamkeit (KNE), das vom Institut für Sozialarbeit und Sozialpädagogik e. V. umgesetzt wird. Ziel ist unter anderem, vorhandenes Wissen zu bündeln, Forschungslücken zu schließen und für das Thema zu sensibilisieren.
Auch andere politische Akteure setzen beim Thema Einsamkeit auf Prävention. Die Gesellschaft für Versicherungswissenschaft und -gestaltung e. V. (GVG), deren Vorsitzende Gundula Roßbach, die Präsidentin der Deutschen Rentenversicherung Bund ist, verfolgt einen ähnlichen Ansatz. Dargestellt ist dieser Ansatz in dem Positionspapier „Einsamkeit begegnen – Gesundheitsziele und gesellschaftliche Herausforderungen“. Dort heißt es unter anderem, dass präventive und niedrigschwellige Angebote gestärkt werden müssten, um Einsamkeit als Gesundheitsrisiko nachhaltig zu bekämpfen.
Mehr Infos im Positionspapier der GVG: t1p.de/GVG-Positionspapier