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Demokratie schützen – auch am Arbeitsplatz

In den Kursen der Initiative BC4D lernen Beschäftigte, auf Verschwörungsmythen und Falschinformationen zu reagieren.

In einem hellen Büro sitzen ein Mann im Anzug und eine lächelnde Frau in gelber Bluse mit aufgeklapptem Laptop und unterhalten sich; im Vordergrund und im Flur sind mehrere Personen in Bewegung als verschwommene Gestalten zu sehen, die durch eine Glastür eilen.
Darum sollten Sie diesen Artikel lesen:

Lesen Sie, wie das Business Council for Democracy (BC4D) Beschäftigte schult, damit sie Hass, Desinformation und Verschwörungsmythen am Arbeitsplatz erkennen und angemessen reagieren. Kurz, praktisch und relevant für Führungskräfte und Teams.

Text: Heimo Fischer
Prävention
02/2026

Die Menschen kommen mit unterschiedlichen Anliegen in die Kurse von Hanna Börgmann. „Ein Teilnehmer sagte mal, er mache mit, um seine Ehe zu retten“, erklärt die Radikalisierungsexpertin. Seine Frau glaubte an Verschwörungsmythen, was die Beziehung auf eine harte Probe stellte. Andere im Kurs wollten wissen, wie sie auf Hasskommentare im Netz reagieren sollen, oder hatten solche Situationen sogar am Arbeitsplatz erlebt. Es sind meist diese typischen Themen, die zur Sprache kommen, wenn Hanna Börgmann Kurse für die Belegschaft von Unternehmen gibt. Beauftragt wird sie dafür vom Business Council for Democracy (BC4D), einem Netzwerk von 200 Unternehmen, das demokratische Werte am Arbeitsplatz stärken will.

Der BC4D ist nach Beginn der Pandemie an den Start gegangen. Zu der Zeit überfluteten Verschwörungsmythen und Desinformationen das Land. In Chat-Gruppen kursierten Hasskommentare. Auch innerhalb von Unternehmen kam es zu Streitigkeiten zwischen Kollegen, Familien zerstritten sich und Freundschaften zerbrachen. Gleichzeitig wuchsen radikale Strömungen in der Gesellschaft.

Porträt einer Frau mit halblangen, hellen Haaren vor weißem Hintergrund. Sie blickt freundlich in die Kamera, trägt eine dunkle Bluse mit einem großflächigen floralen Muster und eine markante orangefarbene Halskette.

„Es gab vorher kaum Fortbildungsangebote für Berufstätige.“

Susanne Nasr, Sprecherin von Business Council for Democracy (BC4D)

Rassistische Bemerkungen kontern

Was können Arbeitgeber tun, um die Demokratie zu stützen? Diese Frage stellten sich 2021 immer mehr Unternehmen. „Damals wurde deutlich, dass es kaum Fortbildungsangebote für Berufstätige zum Thema Desinformation gibt“, sagt Susanne Nasr, Sprecherin von BC4D. Die Hertie-Stiftung und die Robert Bosch Stiftung starteten deshalb eine Initiative, der sich zunächst sechs Unternehmen anschlossen, darunter Evonik, Volkswagen und Nomos Glashütte. Ihr Vorsatz: Demokratie im Arbeitsalltag schützen und Sensibilität für antisemitische, frauenfeindliche oder rassistische Bemerkungen schaffen. Das Netzwerk wuchs und heute gehören ihm rund 200 Firmen an, auch Sozialpartner, Sozialversicherungsträger und Regierungsinstitutionen. Das Geld kommt fast ausschließlich von den beiden Stiftungen. Das Schicksal der Initiative sollte nicht davon abhängen, wie viel Geld Unternehmen gerade übrig haben. 

Kern des Angebots ist eine achtwöchige Online-Schulung, an der sich bis zu 20 Personen pro Unternehmen beteiligen können. Sie umfasst Vorträge, Übungen, Gruppengespräche und Diskussionen. Die Inhalte des Kurses gliedern sich in mehrere Teile. Besprochen werden Verschwörungsmythen, Hasskommentare und Desinformation. Für jedes Thema gibt es eine theoretische Einführung, dann folgen Übungen oder Rollenspiele. Ziel ist es, die Debattenkultur am Arbeitsplatz zu stärken. „Die Teilnehmer lernen, welches Verhalten angebracht ist, wenn sie im Kollegenkreis mit Desinformation konfrontiert werden“, sagt Börgmann. Auch Multiplikatoren der Deutschen Rentenversicherung Bund nahmen an Veranstaltungen des BC4D teil. Daraus resultierten neue Angebote für Mitarbeitende und ehrenamtliche Versichertenberater. Dazu gehören auch interaktive Lernvideos sowie Demokratieveranstaltungen im Rahmen der Führungskräfteentwicklung.

Fake News erkennen

Pauschale Regeln, die in jeder Situation passen, gebe es nicht, sagt die Trainerin. Grundsätzlich empfiehlt sie Zivilcourage bei diskriminierenden Äußerungen in Büro, Werkshalle und Kantine. Sich positionieren, Solidarität zeigen und Hass nicht unwidersprochen lassen. Aber alles in Grenzen. „Niemand sollte sich selbst gefährden oder in eine endlose Diskussionsschleife geraten.“ Manchmal sei bereits ein kurzes Statement wirksam, das zeigt, dass man nicht zustimmt. 

Die Teilnehmer sollen zudem lernen, wie sie mit falschen Informationen umgehen können, die andere streuen. Hier lautet der Ratschlag: nachfragen. „Woher kommt das? Wo hast du das her?“, könnte eine passende Antwort sein. Die Kurse vermitteln das Handwerkszeug, Informationen im Web zu prüfen. Eine einfache Rückwärtssuche hilft oft schon, um herauszufinden, ob ein Foto echt ist. Neben diesem grundlegenden Format gibt es weitere Angebote. Dazu gehört ein Programm, das Führungsnachwuchs für demokratische Themen sensibilisieren soll. Außerdem ist es möglich, selbst Trainer zu werden und im eigenen Unternehmen Schulungen zu geben. Neben der täglichen Arbeit können die Absolventen dann Beauftragte für Debattenkultur werden.

"Die Teilnehmer lernen, welches Verhalten angebracht ist.“

Hanna Börgmann, Kursleiterin für BC4D

Zu denen, die selbst Trainerin geworden sind, gehört Susann Planert, die bei der Leipziger Gruppe als Personalstrategin tätig ist. Das Unternehmen war eines der ersten, das Mitarbeitenden anbot, an den Kursen des BC4D teilzunehmen. Die Leipziger Gruppe steht für Energie, Wasser und Mobilität in der Region. „Wir tragen Verantwortung für die Daseinsvorsorge der Menschen vor Ort und die 5.000 Personen, die bei uns arbeiten“, sagt Planert. Für Demokratie einzutreten, gehöre deshalb zum Werteverständnis. „Als größter Arbeitgeber der Region wollen wir Position beziehen.“ 

Zunächst nahm eine Gruppe von Führungskräften an den Onlinekursen teil, später folgten Mitglieder des Betriebsrats, Auszubildende und weitere Beschäftigte. Intern bietet das Unternehmen zudem Dialoggruppen an, in denen sich die Teilnehmer über Erfahrungen mit Themen rund um Hasskommentare und Verschwörungsmythen austauschen. Die Erlebnisse sind unterschiedlich. Kanalwerker machen andere Erfahrungen als Kontrolleure. Aber eines werde allen schnell klar, sagt Planert: „Demokratie zu schützen, ist überall wichtig, wo wir miteinander umgehen.“ Das gelte besonders am Arbeitsplatz – weil dort sehr viele unterschiedliche Menschen täglich aufeinandertreffen.

Daten & Fakten

Tipps gegen Hass & Fake

  1. Ruhe bewahren.
  2. Nachfragen, nicht angreifen.
  3. Informationen prüfen.
  4. Widersprechen, aber keine endlose Debatten führen.
  5. Eigene Grenzen respektieren. 

42%

der Internetnutzer haben im Jahr 2025 Hassrede wahrgenommen. In der vorherigen Erhebung zwei Jahre zuvor waren es noch 28 Prozent. 

Quelle: Statistisches Bundesamt, 2026

Verschwörungsmythen rückläufig

„Es ist sehr wahrscheinlich, dass geheime Organisationen politische Entscheidungen beeinflussen.”  

2022: 33% 

2024: 28% 

Quelle: Bertelsmann Stiftung, 2022 und 2024

Immer häufiger werden Versicherte der Rentenversicherung zur Zielscheibe von Trickbetrügern.

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