Wenn aus Kleingeld Hoffnung wird
Seit zehn Jahren profitieren Vereine, die Kinder und Familien in schwierigen Situationen begleiten, von der Spendenaktion der Deutschen Rentenversicherung Nord.
Der Artikel zeigt, wie aus kleinen freiwilligen Beiträgen große Hilfe für Kinder und Familien in schwierigen Situationen entsteht. Er macht deutlich, welchen sozialen Unterschied gemeinschaftliches Engagement bewirken kann.
Seit 2016 sammeln Mitarbeitende der Deutschen Rentenversicherung Nord (DRV Nord) ihre Restcent-Beträge. Was für den Einzelnen kaum auffällt, wird zusammen zu spürbarer Hilfe. Auch in diesem Jahr profitieren wieder Vereine in den drei Bundesländern Hamburg, Mecklenburg- Vorpommern und Schleswig-Holstein von der Aktion. „Unsere Restcent-Spende beweist: Helfen muss nicht kompliziert sein. Viele kleine Beiträge machen am Ende einen großen Unterschied für Kinder und Familien“, sagte Volker Reitstätter, Geschäftsführer der DRV Nord. Die Restcent-Spende zeige, was Gemeinschaft bewirkt: Viele kleine Beträge, Monat für Monat, werden zu konkreter Hilfe.
In Hamburg gingen rund 690 Euro an den Lebenshilfe Landesverband Hamburg. Den symbolischen Scheck nahm die erste Vorsitzende des Vereins, Natascha Dönges, entgegen. Überreicht wurde er von Volker Reitstätter und Andrea Behrens, Vertreterin des Gesamtpersonalrats (GPR). „Wir freuen uns sehr über diese Spende“, sagte Dönges. „Damit ermöglichen wir Kindern mit Behinderung und ihren Familien eine begleitete Kurzreise.“ Viele Eltern können sich eine Reise nicht leisten oder wissen nicht, wie sie mit einem Kind mit Behinderung gut gelingt. Die Lebenshilfe will Mut machen – und den Kindern schöne Tage schenken, die bleiben.
Die Lebenshilfe Hamburg gibt es seit 1960. Als Eltern- und Angehörigenverein setzt sie sich für eine Gesellschaft ein, in der alle dazugehören. Sie begleitet Menschen mit Behinderung auf ihrem Weg zu einem selbstbestimmten Leben, bietet Beratung, Bildung, Selbsthilfe und Begegnung – und mischt sich ein, wenn es um Teilhabe und Rechte geht.
Auch in Schleswig-Holstein kam die Restcent- Spende an. Dort sammelten Mitarbeitende der DRV Nord für den Verein Lübeck-Hilfe für krebskranke Kinder. Die Vorsitzende des Vereins, Heidi Menorca, sagte: „Die Spenden fließen direkt in unsere Arbeit. Unser Ziel ist es, krebskranken Kindern und ihren Familien den schweren Alltag ein Stück zu erleichtern.“ Seit 40 Jahren unterstützt der Verein betroffene Familien in enger Zusammenarbeit mit dem Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Campus Lübeck. Das Geld hilft während der Therapie und schafft besondere Momente, die Kraft geben. „Wir nutzen die Summe für einen Startzuschuss und eine erste Wunscherfüllung“, erklärte Menorca.
In Mecklenburg-Vorpommern freute sich das Kinderdorfhaus Leuchtfeuer des Albert- Schweitzer-Familienwerks über rund 690 Euro. Romy Trost nahm den Scheck in Neubrandenburg von Dr. Dieter Starke, stellvertretender Geschäftsführer der DRV Nord, und Gisa Albrecht vom GPR entgegen. Das Familienwerk bietet Kindern und Jugendlichen, die nicht in ihren Herkunftsfamilien leben können, ein verlässliches Zuhause. In Kinderdorfhäusern wachsen sie in familienähnlichen Strukturen auf – mit Schutz, Halt und Förderung, oft bis in die Selbstständigkeit. Viele kommen aus schweren Lebenslagen. Der Aufenthalt soll neue Perspektiven öffnen, für die Kinder und ihre Familien.
Derzeit leben 36 Kinder und Jugendliche in den Häusern des Familienwerks. Mit der Spende will das Team das Außengelände in Wolgast-Mahlzow verbessern: neues Spielgerät, vielleicht ein Zelt für Sommernächte oder ein Fahrrad. Dinge, die den Alltag leichter machen und Kindheit ein Stück normaler.
Einfache Idee
Die Idee hinter der Restcent-Spende ist einfach. Vor zehn Jahren rief der Gesamtpersonalrat der DRV Nord die Aktion ins Leben. Mitarbeitende verzichten freiwillig auf die Cents hinter dem Komma ihres Gehalts. Alexandra Neff, damals Vorsitzende des GPR, erinnert sich gut an die Anfänge. „Kinder sind die Beitragszahlenden von morgen“, sagt sie. „Darum gehört es zu unserer Aufgabe, sie zu unterstützen. Und wenn wir nur einem Kind eine bessere Zukunft eröffnen, haben wir schon viel erreicht.“
Schnell war klar: Die Spenden sollen in der Region bleiben und Einrichtungen helfen, die sich um benachteiligte Kinder kümmern. Im Juli 2016 ging die Aktion an den Start. Ein Jahr später flossen die ersten Beträge an die Jugendhilfe Hamburg, den Verein Birkenzweig in Mecklenburg-Vorpommern und den Lübecker Jugendring. Anfangs wählte der GPR die Ziele aus. Heute schlagen die Mitarbeitenden selbst Vereine und Projekte aus den drei Bundesländern vor.